Donald Trump ist nicht nur ein unberechenbarer Instinkt-Politiker, sondern auch ein ehemaliger Reality-TV-Showman, der von Selbst-Inszenierungen mehr versteht als die Demokraten, deren Parteitag letzte Woche teils einschläfernde Wirkung hatte. Die Opposition beging einen Kardinalfehler, der nun die Tür für den in Umfragen meist deutlich hinter Joe Biden zurückliegenden Trump noch einmal öffnet. Die Demokraten machten „Ungerechtigkeit“ und „systemischen Rassismus“ zum Kardinalthema – und schlugen mit einer solch unerbittlichen Wucht auf ihr eigenes Land ein, dass man sich fragen muss: Warum sind die USA eigentlich für abertausende Einwanderer weiter das bevorzugte Ziel?
Diese „Finsternis“ (Biden) ist nun die Chance für Trump. Er kann der Aufzählung der großen Sünden der Neuzeit – Fremdenhass, Rassismus, Polizei-Brutalität, Sexismus, Waffenwahn – das entgegensetzen, was bei den Demokraten zu kurz kam: positive Visionen, ein klares politisches Programm. Trump ist wegen seiner persönlichen Defizite zwar nicht der Mann, der das so vermitteln könnte, dass er demokratische Stammwähler in sein Lager zieht. Doch auf die kommt es nicht an. Was zählt, sind die gerne die politischen Lager wechselnden Bürger in einigen Bundesstaaten, die sich vor Bidens Steuererhöhungen fürchten.
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