Trump-Parteitag: Alles für eine gute Optik

von Redaktion

Heute beginnt die Nominierungs-Show der Republikaner – First Lady lässt Apfelbäume Jackie Kennedys entfernen

Washington – Es war einmal eine Zeit vor rund 60 Jahren, als First Lady Jackie Kennedy im Garten des Weißen Hauses ein Dutzend Apfelbäume pflanzen ließ, deren Blüten später Besucher wie Mitarbeiter im Regierungssitz gleichermaßen erfreuten. Und es gab auch Tulpenfelder und Rosenbüsche, von denen die ersten bereits 1913 von First Lady Ellen Louise Wilson eingesetzt worden waren.

Doch dann kam Melania Trump – und das große Rosengarten-Massaker. Seit die Präsidentengattin am Wochenende das von ihr neu gestaltete Areal Fotografen und Reportern präsentierte, ist klar: Sie ließ nicht nur die Apfelbäume ausgraben, sondern auch alle Rosensträucher entfernen und neue Gehwege anlegen. Auf Twitter entfachte sie damit einen Proteststurm. Die Trumps hätten aus einem „Paradies einen Parkplatz“ gemacht, lästerte ein Online-Magazin.

Der Hintergrund der Aktion, bei der offensichtlich niemand der Angestellten und Gärtner Widerstand leisten wollte, liegt auf der Hand: Wenn Melania Trump im Rahmen des heute beginnenden Republikaner-Nominierungsparteitags morgen eine Rede im Garten des Weißen Hauses halten wird, soll kein Beiwerk den Blick der Bürger ablenken. Getreu dem Motto: Alles für eine gute TV-Optik, auch wenn am Wahltag des 3. November so gut wie alle US-Bürger die Melania-Rede und die meisten anderen Ansprachen vergessen haben dürften. Und die Demokraten sehen in dem Auftritt der First Lady sogar eine „illegale Nutzung“ des Weißen Hauses für Parteizwecke.

Am Donnerstag wird dann Trump ebenfalls im umgekrempelten Garten offiziell die Nominierung akzeptieren und seine Grundsatzrede halten. Zunächst sollte der Parteitag in Charlotte (North Carolina) stattfinden, doch der Präsident verlegte den Großteil der Veranstaltung nach einem Streit mit den Stadtvätern über Coronavirus-Sicherheitsprotokolle im Juni nach Jacksonville (Florida). Auch dort wurde der Termin abgesagt, nachdem die Virus-Fallzahlen in die Höhe geschossen waren.

Nun sollen die meisten Reden in Washington live oder zugeschaltet gehalten werden, wobei Trump an allen vier Tagen persönlich vor den Kameras auftauchen will. Das Leitmotiv des Parteitags: „Die große amerikanische Geschichte ehren“. Das klingt zunächst eher banal, doch jede Menge Bürger-Auftritte sollen die Konservativen des Landes „mit Hoffnung und Patriotismus“ begeistern, so die Trump-Wahlkampagne.

Geschickt will der Präsident bis Donnerstag durch seine Gäste auch einen Kontrapunkt zur „Black Lives Matter“-Bewegung setzen, für die er bisher kein gutes Wort gefunden hat. Denn auftreten wird auch das Ehepaar McCloskey aus St. Louis, das im Juni vor seiner Villa Schusswaffen auf „Black Lives Matter“-Demonstranten gerichtet hatte, die auf das Privatgelände eingedrungen waren und angeblich drohende Parolen gerufen hatten. Die zuständige Staatsanwältin – eine farbige Demokratin – hatte daraufhin das Paar angeklagt, doch der Gouverneur von Missouri – ein Republikaner – hat bereits angekündigt, keine Verurteilung der McCloskeys zulassen zu wollen. Begründung: die Notwehr-Situation und geltendes Waffenrecht im Bundesstaat.

Redezeit wird neben anderen prominenten Republikanern auch die frühere UN-Botschafterin Nikki Haley bekommen, was einen pikanten Nebeneffekt hat. Denn in Washington halten sich hartnäckig Gerüchte, Trump werde in letzter Minute seinen blassen Vizepräsidenten Mike Pence durch Haley ersetzen, um mehr weibliche Wählerinnen anzusprechen, die ihm Demoskopen zufolge in Scharen den Rücken kehren. Das wäre ein Schachzug Trumps, der tagelang die Schlagzeilen dominieren könnte. FRIEDEMANN DIEDERICHS

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