Konkursverschleppung ist ein Straftatbestand und das hat gute Gründe. Firmen, die überschuldet oder zahlungsunfähig sind, müssen sich durch die Mühle der Insolvenz neu aufstellen. Sonst geraten gesunde andere Firmen, die ihnen das Vertrauen schenken, selber in Schwierigkeiten. Der notwendige Wandel zum Neuen wird verschleppt.
In dieser Woche hat der Koalitionsausschuss in Berlin unter dem Stichwort Corona-Hilfe nicht nur das Kurzarbeitergeld vorschnell weiter ausgedehnt, sondern dazu auch die Insolvenzantragspflicht weiter ausgesetzt. Jedenfalls für Firmen, die überschuldet, aber noch zahlungsfähig sind, soll das gelten. So schafft die Politik „Zombie“-Firmen, Scheintote oder Wiedergänger, die ihrer Seele beraubt willenlos durch unsere Wirtschaft geistern. Nach Schätzungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform sollen das schon 330 000 von 3,6 Millionen beobachteten Firmen sein, Tendenz steigend.
Mit Steuergeldern hilft die Politik nicht nur den von Corona Betroffenen, sondern ebenso Firmen, die den Strukturwandel verpasst haben. Notwendige Anpassungsprozesse werden so verzögert.
Die Politiker nehmen für die irrsinnigen Summen, mit denen sie auch sonst die Wirtschaft fluten, gerne das Lob der Öffentlichkeit entgegen, weil sie in der Krise so „hilfreich“ handeln. Die Zustimmungsraten steigen und das kommt der Politik entgegen. Es sind ja bald Wahlen.
Es muss aber schon gefragt werden dürfen, ob die Pandemie es rechtfertigt, Grundsätze der freien Marktwirtschaft über immer längere Zeiträume außer Kraft zu setzen. Wenn nun bald in unserer Volkswirtschaft mehr als zehn Prozent der Unternehmen zu Zombie-Wesen mutieren, ist es unverantwortlich, in diese Scheintoten mit vielfachen Subventionen frisches Blut hineinzupumpen.
Die Pandemie ist schlimm, auch wenn zum Glück bisher kaum mehr als 10 000 Todesopfer in Deutschland zu beklagen sind. Der Weg in die Staatswirtschaft aber, der hinter vielen der staatlichen Hilfen verborgen ist, wird schlimmer. Es ist der Weg in die Knechtschaft, der auf Dauer unseren Wohlstand und die Anpassungsfähigkeit unserer Wirtschaft zerstören muss. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist gerade auch nach den jüngsten Umfragen des ifo Institutes und anderer nicht so schlecht, wie sie gemacht wird. Das laufende Quartal hat wieder ein schönes Wachstum gebracht nach dem ersten schlimmen Einbruch. Auch die Exporte fangen an, sich wieder zu erholen.
Durch die Subventionen der Politik und die ständige Geldschöpfung durch die Zentralbanken mit quasi null Zinsen entstehen realitätsferne Blasen. An den Börsen, an hohen Immobilienpreisen und sogar beim Gold ist das zu besichtigen.
Freiheitliche Rahmenbedingen dagegen sind notwendig, damit die deutsche Wirtschaft durch unternehmerisches Handeln weiter vorankommt in einer Welt, die auch nach der Corona-Krise verändert sein wird. Die Kräfte dazu haben wir, wenn der Staat sich nicht mehr anmaßt, beurteilen zu können, was zukunftsfähig ist und was nicht. Es geht nicht, dass am Ende der Unternehmer der tüchtigste ist, der es am geschicktesten versteht, alle möglichen Staatshilfen abzugreifen, in seinem Unternehmen aber möglichst alles so belassen möchte, wie es bisher war.
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