„Angela mag komplexe Probleme“

von Redaktion

„Time“ sucht die einflussreichsten Menschen – auch Merkel, von der Leyen und eine Münchnerin

München/New York – Es ist eine ungewöhnliche Ehre für eine Münchnerin, und eine sehr verrückte Geschichte. Am 27. Januar erreichte das Coronavirus Deutschland. Der erste Infizierte kam ins Tropeninstitut der LMU München, zum Team von Dr. Camilla Rothe. Und die stellte fest: Die Frau, die ihren Patienten angesteckt hatte, war symptomfrei. Als eine der Ersten dokumentierte Rothe eine asymptomatische Infektion – ein wichtiger Schritt für die Virusbekämpfung. Das „Time“-Magazin hat Rothe jetzt zu einer der einflussreichsten Personen des Jahres 2020 erklärt. „Ihre Entdeckung hat unzählige Leben gerettet“, schreibt das Magazin in seiner Würdigung.

Jährlich kürt „Time“ aus New York die 100 einflussreichsten Menschen der Welt, eine Rangliste wird nicht festgelegt. Heuer finden sich zwischen den Mächtigen der Welt auch Mediziner, das Virus prägt das Jahr. Der Generaldirektor der WHO, Tedros Ghebreyesus, etwa, oder die chinesische Virologin Shi Zhengli, die das Virus isolieren konnte.

Christian Drosten muss sich vorerst mit dem Bundesverdienstkreuz begnügen, dafür werden aus Deutschland neben Rothen Ursula von der Leyen und Angela Merkel gelistet. Die Kanzlerin zum neunten (und vielleicht letzten) Mal. Die Würdigung für Merkel verfasst: von der Leyen – die Einflussreichen unter sich. „Angela Merkel ist eine ungewöhnliche Politikerin“, schreibt die EU-Kommissionspräsidentin. „Viele Politiker mögen schnelle Lösungen und gefällige Sprüche, aber Angela mag komplexe Probleme.“ Sie habe sich in vielen Krisen bewiesen, auch in der Corona-Krise – da ist es wieder, das Virus.

Die beiden Deutschen zählen zu einer Reihe von Politikern, die das Magazin listet. US-Präsident Donald Trump zählt selbstverständlich dazu, im Wahljahr 2020 findet er sich aber zwischen seinen Kontrahenten Joe Biden und Kamala Harris wieder. Auch Chinas Präsident Xi Jinping steht auf der Liste, im Gegensatz zu Wladimir Putin. China – die nicht mehr ganz so neue Supermacht, aber auch Pekings Gegner, Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen und der Hongkonger Aktivist Nathan Law, stehen im Magazin.

2020 war eben nicht nur Corona, sondern auch das Jahr von Bewegungen, die für Freiheit und Gleichberechtigung kämpfen. Stichwort: #blacklivesmatter. Auch die Gründerinnen der Protest-Bewegung, Alicia Garza, Patrisse Cullors und Opal Tometi, stehen auf der Liste, genauso wie zahlreiche Sportstars, die gegen Diskriminierungen protestierten. Aus der Welt des Sports findet sich auch der wertvollste Basketballer der Welt, der Grieche Giannis Antetokounmpo, wieder. Die Fußballer Messi und Ronaldo gehen hier leer aus.

Neben Sportlern, Aktivisten, Politikern und Wissenschaftlern werden auch zahlreiche Künstler gekürt, etwa Popstar Jennifer Hudson oder Regisseur Bong Joon Ho – dessen Streifen „Parasite“ als erster fremdsprachiger Film überhaupt den Oscar für den Besten Film gewann.

OSKAR PAUL

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