Die sozialdemokratische Budapester Zeitung „Nepszava“ übt scharfe Kritik am Vorschlag der EU-Kommission. Er beweise, dass Solidarität in Europa „ein Auslaufmodell“ sei: „Eine gute Nachricht stellt er allein für die Länder dar, die sich der Solidarität verschließen.“ Das zielt nicht zuletzt auf Ungarns Regierung ab.
Die „Irish Times“ beklagt, dass der EU-Plan lediglich einen „kleinen Schritt“ markiere und das auch noch zu einem hohen Preis: „Bei der flüchtlingsfeindlichen Haltung einiger Mitgliedstaaten wird ein Auge zugedrückt.“
Die niederländische Zeitung „De Volkskrant“ bemängelt, dem Vorschlag fehle eine „Gesamtvision“: „Europa braucht ein neues Narrativ, das die Notwendigkeit der Arbeitsmigration auf beiden Seiten anerkennt. Solange dies nicht der Fall ist, wird die Festung Europa ein angsterfülltes Verteidigungsbauwerk bleiben.“
Milder urteilt die „Neue Zürcher Zeitung“. Sie nennt den Vorschlag „gut austariert“. Dennoch glaubt das Blatt nicht, dass sich die Staats- und Regierungschefs auf einen gemeinsamen Nenner verständigen werden. Eine Einigung wäre „ein europapolitisches Wunder“. mb