Wiesbaden – Eine wachsende Zahl älterer Menschen ist von Armut bedroht. Die Armutsgefährdung sei in der Gruppe ab 65 Jahren zuletzt am stärksten gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Der Zuwachs seit 2005 betrug demnach 4,7 Punkte. Im vergangenen Jahr seien 15,7 Prozent der Menschen in der Altersgruppe betroffen gewesen. Der Anteil liegt knapp unter dem in der Gesamtbevölkerung, wo er um 1,2 Punkte auf 15,9 Prozent stieg.
Armut wird in der Bundesrepublik über das Haushaltseinkommen und die Möglichkeiten an gesellschaftlicher Teilhabe definiert. Die Armutsgefährdungsquote gibt den Anteil der Bevölkerung an, der mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss. Bei einem Ein-Personen-Haushalt lag diese Grenze 2019 bei 1074 Euro im Monat.
Tatsächlich lebten weitaus mehr ältere Menschen an oder unter der Armutsgrenze, als die Prozentzahlen auf den ersten Blick vermuten ließen, sagt der Forscher Christoph Butterwegge. Denn in der Grundgesamtheit seien auch Pensionäre sowie Menschen enthalten, die sehr gut von ihren Kapitalerträgen leben könnten. Betrachte man nur die Rentner, sei aktuell bereits jeder fünfte betroffen – vor allem Frauen. Das Problem werde sich künftig verschärfen. Ein Grund sei das abgesenkte und nach dem Jahr 2025 weiter sinkende Rentenniveau. Es sei zudem davon auszugehen, dass die Pandemie die Lage verschärfe: Betroffen von Kurzarbeit und Entlassungen seien vor allem Geringverdiener. Und: „Mehr als eine Million Kleinstrentner haben Minijobs, um über die Runden zu kommen. Davon sind viele durch die Beschränkungen weggefallen. Sie erhalten keine staatliche Leistung als Ersatz.“
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts bezogen Ende vergangenes Jahres 3,2 Prozent der Menschen im Rentenalter Grundsicherung. Butterwegge sieht eine hohe Dunkelziffer.