Berlin – Nach einem wahlarmen Jahr 2020 steht den Deutschen 2021 ein Superwahljahr ins Haus. Landesparlamente in sechs Bundesländern mit zusammen 25 Millionen Einwohnern werden gewählt. Höhepunkt ist die Bundestagswahl im September, die die Ära der Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU) beenden wird. Doch im Schatten der großen Kanzler-Frage finden in etlichen Bundesländern Weichenstellungen statt. Richtig los geht das Superwahljahr am 14. März in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Wahlen sind auch Stimmungstests für den Bund und den neuen CDU-Chef. Ein Überblick:
Baden-Württemberg: Im Südwesten mit seinen 11,1 Millionen Einwohnern rüstet sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Landtagswahl am 14. März für eine dritte Amtszeit – und seine Chancen stehen nicht schlecht. 2011 war der 72-Jährige der erste Ministerpräsident der Grünen, er ist es bis heute geblieben. In der ersten Amtszeit regierte er mit der SPD, in der zweiten mit der CDU. Mit gelegentlich abweichenden Meinungen zur Parteispitze in Berlin stößt Kretschmann in die konservative Wählerschaft vor, das gehört zu seinem Erfolg im Südwesten. Die CDU schickt Kultusministerin Susanne Eisenmann gegen Kretschmann ins Rennen. Grüne und CDU sind den anderen Parteien in Umfragen weit enteilt. SPD und AfD kommen auf knapp zweistellige Werte, die FDP dürfte knapp den Einzug in den Landtag schaffen.
Rheinland-Pfalz: Die Anfang Dezember zur Spitzenkandidatin gewählte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (59) kann mit Bekanntheit und Popularität punkten, zugleich leidet die SPD aber unter der generellen Schwäche der Partei im Bund. Die CDU hat das Handicap, dass sie mit Christian Baldauf einen wenig bekannten Spitzenkandidaten ins Rennen schickt, obwohl er seit 2001 im Landtag sitzt und aktuell die CDU-Fraktion anführt. 2011 und 2016 hatte es die heutige Bundesagrarministerin Julia Klöckner nicht auf den Chefposten in Mainz geschafft. Einer Umfrage zufolge behauptet das Ampel-Bündnis eine knappe Mehrheit, jedoch liegt die CDU sechs Prozentpunkte vor der SPD. Deutlich dahinter kommen erst die Grünen mit Spitzenkandidatin und Familienministerin Anne Spiegel.
Thüringen: Die Thüringer werden schneller als geplant zu den Wahlurnen gerufen. Sie hatten erst im Oktober 2019 den Landtag neu gewählt, mit weitreichenden Folgen für Land und Bundesebene, als der FDP-Politiker Thomas Kemmerich kurzzeitig mit Stimmen von CDU und AfD zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Die Minderheitskoalition aus Linke, SPD und Grünen und die oppositionelle CDU schlossen eine Stabilitätsvereinbarung, nun soll am 25. April 2021 der Landtag neu gewählt werden. Umfragen vom Herbst sehen die Linke weiter als stärkste Kraft, AfD und CDU etwa gleichauf dahinter. SPD, Grüne und FDP sind deutlich abgeschlagen.
Sachsen-Anhalt: Das Bundesland mit 2,2 Millionen Einwohnern hatte 2016 Neuland betreten. Deutschlandweit kam es zum ersten Keniabündnis aus CDU, SPD und Grünen, nachdem die AfD zweitstärkste Kraft geworden war. Das Bündnis unter Reiner Haseloff (CDU) schlitterte zum Ende des Jahres wegen des Streits um die Erhöhung des Rundfunkbeitrags in eine schwere Krise. In Umfragen stehen drei Partner zumindest ähnlich gut wie 2016 da, die Grünen sogar besser.
Berlin: In der Hauptstadt werden im Herbst am gleichen Tag Bundestag und Abgeordnetenhaus gewählt. Gleich vier Parteien rangeln um die Spitzenposition: SPD, CDU, Linke und Grüne. Personell wird es spannend. Den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) zieht es in den Bundestag. Der Berliner SPD-Landesvorstand hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey als Spitzenkandidatin nominiert. Der Landesvorstand der Linken hat Kultursenator Klaus Lederer, der gute persönliche Umfragewerte aufweist, als Spitzenkandidat nominiert. Bei der CDU will Landeschef Kai Wegner Bürgermeister werden.
Mecklenburg-Vorpommern: Es gilt als ausgemacht, dass Ministerpräsidentin Manuela Schwesig als Spitzenkandidatin ihrer Partei in die Wahl im Herbst geht. Es wäre ihre erste Wahl, sie zog erst 2017 in die Staatskanzlei ein, nachdem ihr Vorgänger Erwin Sellering aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Von CDU-Seite bekommt sie es mit dem neuen Landeschef Michael Sack zu tun. Die CDU ist seit 2006 Juniorpartner der SPD in der Landesregierung. Eine Umfrage von Ende November sieht beide gleichauf.