Bidens schwieriger Krieg gegen die Pandemie

von Redaktion

Der neue US-Präsident stößt bei seiner Corona-Strategie an die Grenzen des schnell Machbaren – Erste Kritik

Washington – Joe Biden sagt, er führe „einen Krieg“ gegen das Corona-Virus. Doch nach 14 Tagen im Amt wachsen bereits die Zweifel, ob der Nachfolger von Donald Trump seine Prioritäten entsprechend ausgerichtet hat. Zumal er im Wahlkampf noch versprach, dass die Entwicklung der Pandemie „in die falsche Richtung“ laufe – und nur er das rasch ändern könne. Auf seinem Schreibtisch haben sich allerdings vom ersten Tag an jede Menge Exekutiv-Verfügungen gestapelt, die oft nichts mit dem Kampf gegen Covid-19 zu tun haben. Sie widmen sich aber vor allem dem linken Flügel der Partei am Herzen liegenden Themen wie einem viel zitierten „systemischem Rassismus“ in der Gesellschaft, der Gleichbehandlung von Transsexuellen im Militär oder der staatlichen Förderung von erschwinglichen Wohnungsbauprojekten für Minderheiten.

Fast 100 000 Menschen starben in den USA allein im Januar an dem Virus – es war der tödlichste Monat seit Beginn der Pandemie. Erste Medien wie die „New York Post“ beklagen, dem neuen Präsidenten fehle der nötige Nachdruck bei seinem Pandemie-Konzept. Das Blatt kritisiert, dass Biden offene Grenzen wieder zu einer der politischen Prioritäten erklärt hat. Das bedeute: Farmarbeiter und Migranten aus Drittstaaten, die Mexiko als Transitland nutzen, kommen auf dem Landweg ohne Virus-Tests in die USA, während Flugreisende vor dem Abflug und nach der Landung negativ getestet werden müssen.

Gleichzeitig kritisieren Experten den Zeitplan Bidens, bis zum Spätherbst so gut wie alle US-Bürger geimpft zu haben. Der Mediziner Peter Hotez fordert, das Tempo müsse so verschärft werden, bis Ende des Frühjahr die meisten Amerikaner immunisiert zu haben. Doch latente Impfstoff-Engpässe und Probleme bei den Zuteilungsquoten für die 50 Bundesstaaten lassen diese Vorgabe als unerreichbar erscheinen. Am Dienstag ordnete Biden an, künftig Impfstoffe erstmals auch direkt an Apotheken zu schicken. Ob dies das Tempo – der Präsident möchte in seinen ersten 100 Amtstagen eine Million Bürger pro Tag impfen – beschleunigen wird, ist nicht absehbar.

In der Bevölkerung warten jene, die durch die Pandemie ihren Job verloren haben, mit wachsender Verzweiflung auf die von Biden versprochenen schnellen Finanzhilfen. Der „Boston Globe“ zitiert die 33-jährige Amanda Jennings, die ihren Job verlor und seit Wochen versucht, von einer überlasteten Bürokratie die ihr zustehenden Leistungen zu bekommen. Ohne Erfolg: „Ich kann meine Miete nicht zahlen. Ich habe nichts zu essen. Und so geht es tausenden Menschen“, sagt sie. „Ich habe viel geweint“.

Wann die von den US-Demokraten versprochenen Extra-Schecks von 1400 Dollar pro Person eintreffen, ist ungewiss. F. DIEDERICHS

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