Wirbel um Seehofer-Gutachten

von Redaktion

„Maximale Kollaboration“ der Wissenschaft bei Corona-Krise

Berlin – Wegen eines offenbar politisch motivierten Gutachtens in der ersten Corona-Welle gerät das Bundesinnenministerium unter Druck. Die „Welt“ berichtet von einem 200 Seiten starken Schriftverkehr zwischen dem Ministerium von Horst Seehofer (CSU) und Forschern. Demnach habe einer von Seehofers beamteten Staatssekretären darum gebeten, ein Szenario zu berechnen, wie viele Menschen an Corona sterben, falls die Politik nichts unternimmt.

Ergebnis: über eine Millionen Tote und 57 Millionen Infizierte. Außerdem eine „Kernschmelze“ der deutschen Wirtschaft und ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 20 Prozent. Das Papier sei, so schreibt die Zeitung, als „geheim“ deklariert, aber gezielt an Journalisten weitergegeben worden. So sollte für einen restriktiven Kurs und einen Lockdown geworben werden. Beteiligt seien das Robert-Koch-Institut und weitere Forscher unter anderem der Universitäten Bonn, Kassel und Lausanne. Seehofers Staatssekretär habe um Verschwiegenheit gebeten, aber explizit „Maßnahmen präventiver und repressiver Natur“ rechtfertigen wollen. Er habe „maximale Kollaboration“ erfragt. Ob die skizzierten Szenarien eingetreten wären, ist unklar – es kam ja zum Lockdown, der das Virus bremste.

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