Rom – Wenn man italienische Politiker als Clowns bezeichnet, dann macht man bei Beppe Grillo gewiss keinen Fehler. Der 72-jährige Gründer der Fünf-Sterne-Bewegung ist ein Komiker, der im Lauf seiner Karriere immer politischer wurde und nun die entscheidende Figur bei der Bildung einer neuen italienischen Regierung unter Mario Draghi ist. Der Gründervater der Sterne verfügte gestern, die bereits angesetzte Mitgliederbefragung über eine Regierungsbeteiligung noch einmal zu verschieben. Alles in Rom hängt nun von den Sternen und von Beppe Grillo ab.
Der Gründervater der populistischen Partei bekleidete selbst nie ein politisches Amt. Grillo ist vorbestraft und darf den Statuten seiner Bewegung zufolge damit nicht für Ämter kandidieren. 1981 verschuldete er fahrlässig einen Unfall, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Für ihn wurde deshalb die Rolle des „Garanten“ der Bewegung geschaffen, eine Art Übervater und Koordinator im Hintergrund. Jetzt, wo Draghi an der Bildung einer Regierung arbeitet, ist Grillo als Guru um Hintergrund besonders gefragt. Er ist der letzte gemeinsame Nenner in der zerstrittenen Bewegung. Die Sterne sind Mehrheitspartei im Parlament, der Ex-Bankier Draghi und andere Koalitionäre sind in der Bewegung nicht einfach zu vermitteln. Zweimal ist Grillo in den vergangenen Tagen nach Rom zu den Sondierungsgesprächen mit Draghi gereist. Der 72-Jährige aus Genua begleitete den Interimschef der Sterne, Vito Crimi, sowie die Fraktionschefs. Die Verschleißerscheinungen bei den Sternen sind nach drei Jahren Regierung jedoch deutlich. Nach Umfragen kämen sie heute auf weniger als die Hälfte der Stimmen von 2018.
Die Partei ist nach der Regierungserfahrung zuerst mit der rechten Lega und anschließend mit den Sozialdemokraten in einem Linksbündnis weiter auf Identitätssuche. Während die Führungsriege um Grillo den Eintritt in die Koalition unter Draghi befürwortet, gibt es auch kritische Stimmen. Der Partei droht der Bruch. „Ich habe den Bankier Gottes erwartet, aber er ist ein Grillino und will Mitglied werden“, scherzte Grillo über die Sondierungen mit Draghi, der im linken Flügel der Bewegung als Ausdruck des Großkapitals verachtet wird. Draghi habe das von den Sternen eingeführte Bürgergehalt und die Idee eines Superministeriums zur ökologischen Wende gelobt. „Ich habe mit ihm gesprochen und er hat immer genickt“, sagte Grillo.
Die verschobene Mitgliederbefragung soll nun erst stattfinden, wenn Draghi sein den Parteien illustriertes Regierungsprogramm auch öffentlich gemacht habe. Grillo und die Sterne spielen auf Zeit, und verzögern damit die Regierungsbildung in Rom weiter. Doch die Lage der Grillini ist nicht einfach. Vor allem Silvio Berlusconi galt ihnen als Inbegriff einer verkommenen Politiker-Kaste, Grillo bezeichnete ihn jahrelang als „Psychozwerg“. Wenn die Mitglieder einwilligen, gehen die einst systemkritischen Sterne nun auch mit ihm, der Lega und den Sozialdemokraten in eine Koalition. Die Zentrifugalkräfte werden stärker. Deshalb wurde Grillo aktiv. Er versucht die Spaltung seiner vor zwölf Jahren gegründeten Bewegung zu verhindern und sie auf ihr jüngstes Abenteuer einzuschwören.