Theater bergen geringes Risiko

von Redaktion

Berliner Studie untersucht, wo man sich mit Corona anstecken kann

München – Theater, Kinos, Fitnessstudios: All diese Orte werden auch in den nächsten Wochen keine Ziele sein. Wann sie wieder öffnen dürfen, ist unklar, Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen gelten als besonders riskant. Wie hoch dieses Risiko an den unterschiedlichen Orten ist, darüber gibt nun eine Studie der TU Berlin Aufschluss.

Die Autoren haben dazu ein Infektionsrisikomodell entwickelt, das für unterschiedliche Szenarien die jeweilige Ansteckungsgefahr ermittelt und sie mit einem R-Wert von maximal 1 vergleicht. Dieser Wert gibt an, wie viele Infektionen von einem Angesteckten ausgehen. Die Studie geht davon aus, dass sich die Menschen im Normalfall an Abstands- und Hygieneregeln halten und die Räume regelmäßig lüften.

Das Ergebnis ist eindrucksvoll – und es stellt einige Entscheidungen in Frage. Der Besuch von Theatern oder Museen, der schon seit Monaten nicht mehr möglich ist, ist demnach bei entsprechenden Beschränkungen (30 Prozent Belegung, Maskenpflicht) nur halb so riskant wie das Einkaufen im Supermarkt, bei dem ein R-Wert von 1,0 angesetzt wird. Ist dagegen ein Büro zu 50 Prozent besetzt und die Mitarbeiter tragen keine Masken, steigt das Risiko einer Ansteckung um das Achtfache.

Auch auf die Situation in Schulen geht die Untersuchung ein. Bei Vollbesetzung und ohne Masken ist die Infektionsgefahr in einer Oberschule (gemeint sind weiterführende Schulen ab der siebten Klasse) 11,5-mal so hoch wie im Supermarkt und 23-mal so hoch wie im Theater. Ist nur die Hälfte der Schüler im Präsenzunterricht, sinkt der Faktor auf 5,8, mit Maske sogar auf 2,9. Aber auch dann ist die Schule noch ein sechsmal riskanterer Ort als ein Museum oder Theater.

Das Bemerkenswerte: Vor allem jene Orte, die seit Monaten von Schließungen betroffen sind, schneiden vergleichsweise gut ab. Deutlich besser als Büros, bei denen die Politik es noch immer bei Appellen an die Arbeitgeber belässt. MARC BEYER

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