Söders treue Fans aus dem Norden

von Redaktion

Seit fast 50 Jahren reist der CDU-Kreisverband Peine zum Aschermittwoch – diesmal nicht

München – Die Peiner Christdemokraten sind treue Fans. Es ist jetzt 48 Jahre her, dass der damalige CSU-Chef Franz Josef Strauß den CDU-Kreisverband aus Norddeutschland nach Passau gelockt hat. Seitdem reisen die rund 30 „Passau-Fahrer“ jedes Jahr quer durch Deutschland zum Politischen Aschermittwoch der CSU. Mit Bus und Bahn, knapp sieben Stunden lang. Von Niedersachsen nach Niederbayern. „Es ist das erste Mal, dass unsere Reise ausfällt“, sagt Werner Niemann, der die Passau-Fahrten sonst organisiert. Wegen Corona kann die Veranstaltung nur digital stattfinden.

„Eigentlich ist das immer ein richtiges Familienerlebnis“, erzählt Niemann. Die Peiner gelten als Ehrengäste in Passau, checken jedes Jahr in ihrem Stammhotel „Weißer Hase“ ein, wo sie der Generalsekretär der CSU besucht. Und auch in der Dreiländerhalle wurden die Freunde aus der Union unter den 10 000 Besuchern bislang stets extra begrüßt.

„Unser Parteikollege Werner Schrader war früher ein enger Freund von Franz Josef Strauß“, erzählt Niemann. „Er hatte die Idee, gemeinsam nach Passau zu fahren – alle waren begeistert.“ Niemann selbst gehört seit 23 Jahren zu den „Passau-Fahrern“ – und ist selbst sogar CSU-Mitglied geworden. „Bayern ist unter allen Bundesländern schon immer ein Vorbild“, sagt er.

„Uns sterben hier bald die Mitglieder weg, die schlafen ja schon alle ein“, beschwert sich Niemann. In der CSU dagegen gebe es „sehr viele junge Leute, die begeistert dabei sind“. Er blickt mit ein wenig Neid in den Süden. „Joa, meckern kann hier jeder. Aber engagieren will sich so gut wie niemand.“

Niemann will sich daran ein Beispiel nehmen – damit auch die Peiner moderner und jünger werden. „Zum Glück haben wir seit einigen Jahren ein paar Frauen unter den Passau-Fahrern dabei“, sagt er. „Dafür habe ich auch lange gekämpft.“ Dazu gehört Marion Övermöhle-Mühlbach, Vorsitzende der Frauen Union in Peine – sie war die letzten sechs Jahre in Passau dabei. „Wir Norddeutschen kennen das sonst nicht“, erzählt sie. „Das Traditionelle in Bayern, die Emotionen, die hochkochen.“ Besonders spannend sei für sie gewesen, Markus Söders Aufstieg zum Ministerpräsidenten zu verfolgen. „Der ist mit seinen Aufgaben gewachsen. Einfach ein Guter.“

Auch wenn Söder mit seiner strengen Corona-Politik zuletzt immer mehr Kritik ausgelöst hat – die Peiner halten weiter zu ihm. Werner Niemann sagt: „Ich hoffe, der wird unser nächster Bundeskanzler.“ Obwohl er findet, dass die CDU als größere Partei eigentlich das Vorrecht haben sollte, den Kanzler zu stellen – dafür sei seine Partei gerade zu gespalten, sagt er. „Das hat man an der Wahl des Vorsitzenden deutlich gesehen. Gut, in NRW scheint Armin Laschet ja einen guten Job zu machen. Aber in meinen Augen ist Söder der richtige Mann.“ Beim Aschermittwoch sprechen diesmal sogar beide Parteichefs.

Bejubeln können die Unions-Freunde aus Peine sie aber nur vor dem Monitor. „Nächstes Jahr klappt dann hoffentlich unsere 49. Passau-Fahrt“, sagt Niemann. Allein die Fahrt ist eine große Gaudi. „Aber es bleibt alles human. Gut, im Zug hat sich der ein oder andere mit Bier vollgetrunken – das war dann im Fernsehen zu sehen und hat uns nicht ins beste Licht gerückt.“ Mittlerweile kommt man mit dem Reisebus. Nächstes Jahr wieder. Hoffentlich. KATHRIN BRAUN

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