Der Schnelltest soll’s richten

von Redaktion

VON JULIAN NETT

Berlin – In Krankenhäusern und Pflegeheimen findet er bereits seit Ende des letzten Jahres regelmäßig Anwendung, demnächst soll er auch dem Otto-Normalverbraucher kostenlos zur Verfügung stehen: der Antigen-Schnelltest. Das verkündete gestern Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Ab 1. März wolle man „jedem, der möchte, einen Antigen-Schnelltest anbieten können“.

Im vergangenen Monat, erklärte Spahn auf der Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums, war das Angebot an Schnelltests erstmals groß genug, um die enorme Nachfrage zu decken. Weil die Hersteller monatlich weit mehr als die 50 bis 60 Millionen vertraglich vereinbarten Tests liefern, sieht man sich inzwischen gut genug gerüstet. Es sei eine ausreichende Anzahl vorhanden, sagte der Minister. Trotzdem wolle er nicht versprechen, dass die Tests immer und überall verfügbar sein werden.

Sicher ist hingegen, dass die Bürger für einen Antigen-Test nicht selbst in die Tasche greifen müssen. Die Kosten – 18 Euro – werden rückwirkend ab Januar durch den Bund gedeckt. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und er verträten „das gemeinsame Verständnis, „dass jede Investition in das Testen im Vergleich zu den Kosten für einen Lockdown eine gute Investition ist“, so Spahn.

Nach vorheriger Terminvereinbarung sollen die Antigen-Tests in diversen Testzentren, Arztpraxen und Apotheken erhältlich sein. Wie beim üblichen PCR-Test ist auch für die Schnellversion ein Nasen- oder Rachenabstrich erforderlich, der nur von medizinischem oder eigens geschultem Personal durchgeführt werden darf. Die entnommene Probe kommt anschließend auf einen Teststreifen, der innerhalb von 15 Minuten mit einer Verfärbung reagiert.

Weil für dieses Verfahren nicht nur eine ausreichende Anzahl an Tests, sondern auch eine entsprechende Kapazität an Fachkräften notwendig ist, äußerte sich die Deutsche Stiftung Patientenschutz zunächst kritisch. Schon in den Heimen fehle das Personal, um diese täglichen Schnelltests durchzuführen, teilte die Stiftung mit. „Wie das für zig Millionen Menschen flächendeckend gehen soll, ist vollkommen schleierhaft.“

Für eine Entlastung der Mediziner könnten die in vielen Nachbarländern bereits eingesetzten Laien-Selbsttests sorgen. Jens Spahn erwartet die Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte für Anfang März. Dem Institut lägen bereits mehrere Anträge auf nationale Sonderzulassung vor. Beim Laien-Selbsttest reicht es in der Regel, wenn der zu Testende gurgelt oder spuckt. Auf das lästige Stäbchen kann verzichtet werden. Schließlich ist eine einfache Handhabung mit das Wichtigste für die Zulassung. Auch Ungeschulte müssen die Proben entnehmen und das Ergebnis mit Gewissheit ablesen können.

Im Gegensatz zu dem Antigen-Schnelltest soll der Laien-Selbsttest nach seiner Zulassung auch in Discountern oder Lebensmittelmärkten erhältlich sein. Die Kosten werden voraussichtlich von den Ländern übernommen. Nur Bürger, die sich auf eigene Faust testen, müssen mit einer Selbstbeteiligung von einem Euro rechnen.

Ersetzen Schnell- und Selbsttests also bald das PCR-Verfahren? Nein. „PCR-Tests bleiben trotzdem der Goldstandard“, erklärte Spahn. „Das sind die Tests, die in den Laboren ausgewertet werden und die verlässlichsten Ergebnisse liefern.“ Fällt ein Schnell- oder Selbsttest positiv aus, muss dieses Ergebnis durch einen PCR-Test verifiziert werden. Trotzdem verbucht der Gesundheitsminister die neuen Möglichkeiten als Erfolg. „Die Schnelltests und Laien-Selbsttests sind wichtige Werkzeuge in der Pandemie“, sagte Spahn. „Sie helfen uns zu einem sicheren Weg bei der Wiedereröffnung von Schulen und Kitas.“

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