Diskussion um Astrazeneca

Im Zweifel nachimpfen

von Redaktion

KLAUS RIMPEL

Eben wurde noch heftig darüber gestritten, warum Astrazeneca den Briten mehr liefert als der EU. Und jetzt liegen hunderttausende Impfdosen auf Halde, weil viele den britisch-schwedischen Impfstoff nicht haben wollen. Das ist schon fast eine absurde Pointe – und zeigt, wie schwierig es ist, all die schönen Modellrechnungen bis hin zur Herdenimmunität in der Wirklichkeit umzusetzen.

Die mäßige Akzeptanz des Astrazeneca-Serums beim Pflegepersonal kommt nicht überraschend: Die Entscheidung, den Impfstoff nur für unter 65-Jährige zuzulassen, weckte bei etlichen Altenpflegern oder Krankenschwestern das Gefühl, nur einen Schutz zweiter Klasse zu bekommen. Da mit noch so schönen PR-Kampagnen dieses Imageproblem nicht mehr korrigiert werden kann, ist der Vorschlag des Immunologen-Verbandes am zielführendsten: Die Bundesregierung soll den Astrazeneca-Skeptikern garantieren, dass sie sich mit einem bislang nur für die Älteren vorbehaltenen mRNA-Impfstoff nachimpfen lassen können.

Ohnehin gilt: Besser ein 70-Prozent-Astrazeneca-Schutz als eine Corona-Erkrankung. Die FDP-Forderung, die Kanzlerin solle sich als Vorbild mit Astrazeneca impfen lassen, ist hingegen Humbug: Wenn sich Angela Merkel darauf einlassen würde, bräche sicher gleich die Debatte los über die „bösen Politiker“, die sich beim Impfen vordrängeln. An der einmal beschlossenen Impf-Reihenfolge sollte die Bundesregierung jetzt auch festhalten.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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