Ärger über Impf-Drängler

Die Bundespolitik hat gepennt

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Zu den kleinen, hässlichen Mirakeln der Pandemie gehört, dass trotz dramatischen Mangels am Ende des Tages just eine Dose Impfstoff übrig und gerade ein Landrat, Bürgermeister oder Bischof zur Stelle ist. Die Meldungen häufen sich, und fast immer gibt es ein Körnchen Rechtfertigung. Trotzdem riecht das faulig nach Privilegien für Amtsträger. Das hätte die Bundespolitik ahnen können.

Über die Impf-Reihenfolge wird noch heftig zu streiten sein, auch wenn die Priorisierung für Betagte und Kranke richtig ist. Stützen der Gesellschaft – darunter Polizisten, Lehrer, Erzieher – finden sich insgesamt erstaunlich weit hinten. Gravierend ist auch der Webfehler, diese Frage, die auch von Leben und Tod handeln kann, nicht per Gesetz zu regeln. Der Bundestag hat das in einem Anfall selbstgenügsamer Apathie den Ministerialbeamten auf dem Verordnungswege überlassen. Ein kapitaler, ein peinlicher Fehler, und nun sind Verstöße gegen die Reihenfolge nicht mal sanktioniert. Während es sonst für jeden Fehler der Bürger dicke Bußgeldkataloge gibt.

Das hätte seit Monaten bedacht oder wenigstens seit Wochen geändert werden müssen, denn das Problem bleibt. Auch innerhalb der priorisierten Gruppen gibt es Drängelei. Man darf sehr staunen, wer sich plötzlich zu „medizinischem Personal“ zählt, ähnlich kontrovers wird, wer „systemrelevant“ sein mag. Es geht nicht um Cleverness, auch nicht nur um eine vergiftende Neiddebatte. Für jeden, der sich vordrängt, wird die ganze Reihe dahinter zurückgedrängt.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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