Ex-Hoffnungsträger im freien Fall

von Redaktion

Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Gouverneur von New York

New York – Als New York zum Epizentrum der Corona-Pandemie wurde, lief Gouverneur Andrew Cuomo zu Hochform auf. Tag für Tag informierte er mit klaren Worten und Power-Point-Präsentationen über die Entwicklung des Infektionsgeschehens in seinem Bundesstaat und die Maßnahmen dagegen. Die Pressekonferenzen des heute 63-Jährigen bekamen Kult-Status. Der Gouverneur wurde dafür schließlich sogar mit einem Emmy ausgezeichnet, dem wichtigsten Fernsehpreis der USA.

Über den Sommer schien New York die Pandemie weitgehend in den Griff zu bekommen. Der viel gelobte Krisenmanager feierte seine daraus gezogenen „Lektionen in Führungsstärke“ – und sich selbst – mit einem Buch. Es wurde sofort zum Bestseller. Der Demokrat wurde zum Hoffnungsträger, für einige sogar zum möglichen Kandidaten gegen den damaligen Präsidenten Donald Trump. Das ist vorbei. Nun gibt es gegen Cuomo schwere Anschuldigungen.

Die größten Wellen schlagen Vorwürfe sexueller Belästigung, die im Abstand von wenigen Tagen von drei Frauen erhoben wurden. Zunächst beschuldigte die 36 Jahre alte Lindsay Boylan, eine ehemalige Beraterin, den Gouverneur, sie 2018 in seinem Büro in Manhattan ungefragt auf den Mund geküsst zu haben. Cuomo habe in seiner Regierung eine Kultur geschaffen, in der sexuelle Belästigung allgegenwärtig sei. Eine frühere Gesundheitsberaterin beschuldigte ihn, sie verbal bedrängt zu haben. Schließlich meldete sich eine dritte Frau und warf Cuomo vor, sie unangemessen angefasst und gefragt zu haben, ob er sie küssen dürfe.

Einen Rücktritt lehnt Cuomo ab. Er war zuletzt auch wegen seines Umgangs mit Corona unter Druck geraten. Dem Gouverneur wird vorgeworfen, die Zahl von Todesopfern in Altenheimen kleingeredet oder verschleiert zu haben. Inzwischen ermittelt die Justiz. CHRISTINA HORSTEN

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