Was soll das? Einigermaßen fassungslos liest man die Meldung, dass die Bayerische Staatskanzlei dem Tiroler Landeshauptmann die Durchreise über das deutsche Eck verweigert. Das ist schon eine grobe Taktlosigkeit, ja Unverschämtheit, die das ohnehin strapazierte bayerisch-tirolerische Verhältnis unnötig weiter verhärtet.
Gewiss, der Landeshauptmann Platter ist kein Mann der leisen Töne. Und auch er hat Fehler gemacht. Sein Agieren im Fall Ischgl war fahrlässig. Er provoziert gerne mit Durchfahrtsbeschränkungen für Lkw auf der staugeplagten Inntal-Route (pocht aber auf den Bahnausbau, wobei er in der Sache Recht hat). Aber er ist kein Andreas Hofer, den man so einfach zur unerwünschten Figur erklären sollte. Dass von dem (noch ungeimpften) Landeshauptmann bei einer Zwei-Stunden-Fahrt über bayerische Autobahnen eine konkrete Gefahr ausging, wird niemand ernsthaft behaupten wollen.
Regierungschef Markus Söder wird jetzt schlumpfig rumgrinsen über seinen Streich, aber in Wahrheit agiert er äußerst unklug, ja fahrlässig. Bayern sollte an einem guten Verhältnis zum Tiroler Nachbarn gelegen sein. Die Beziehungen, Freundschaften und Arbeitsverhältnisse in der Grenzregion sind eng und in der Corona-Pandemie durch rigorose, ja teils übertriebene Testeritis vielen Belastungen ausgesetzt. Regierungschefs sollte daran gelegen sein, Nöte zu lindern – statt sie anzuheizen.
Dirk.Walter@ovb.net