MARCUS MÄCKLER
Dietmar Bartsch gebührt der Preis für den hübschesten Euphemismus der Woche: „Vorteilsoptimierer“ nennt der Linken-Politiker den CDU-Mann Nikolas Löbel. Welche Untertreibung. Der Bundestags-Hinterbänkler ist nach Georg Nüßlein der zweite Unions-Politiker, der mutmaßlich sein Mandat missbraucht hat, um sich an der Corona-Krise zu bereichern. Ihr Verhalten, von fehlendem Unrechtsbewusstsein geleitet, war und ist zutiefst verwerflich. Wer allen Vorwürfen zum Trotz an seinem Mandat klebt, um sich bis zuletzt Bezüge zu sichern, hat nichts verstanden.
Es ist nun dringendste Aufgabe der Union, mit allen Mitteln bei der Aufklärung der Fälle zu helfen und jeden weiteren Verdacht auf dunkle Geschäfte offenzulegen. Die Flucht nach vorne fällt den Parteispitzen aber offenbar schwer. Dass CDU-Chef Armin Laschet erst am Sonntagnachmittag etwas zum Fall Löbel einfiel – nachdem dessen Rückzug-auf-Raten-Taktik das Ansehen der Partei weiter beschädigt hatte – ist jedenfalls schwach. Wenn sich die Affäre, wovon auszugehen ist, auch auf die Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz auswirkt, wird das auch an Laschet kleben bleiben. Zaudern ist nicht Kanzler-like.
Für die Union geht es um viel: Gelingt es nicht, das Thema einzufangen, könnte sich im Bundestagswahljahr ein gefährliches Gemisch zusammenbrauen. Die Bürger hadern spürbar mit der Corona-Politik, sehen bisweilen überforderte Minister und müssen jetzt auch noch das Gefühl bekommen, dass manche derer, die Verzicht predigen, kalt lächelnd Hunderttausende kassieren. All das ist Gift für die Union – und für das Klima in einem krisenmüden Land.
Marcus.Maeckler@ovb.net