Bonn/München – Gegen Fundamentalkritik von kirchlichen Reformgegnern haben Missbrauchsopfer den „Synodalen Weg“ ausdrücklich verteidigt. Der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz, der Anfang Februar erstmals an den Beratungen der Versammlung teilgenommen hat, weist den Vorwurf zurück, dass mit dem „Synodalen Weg“ „Missbrauch des Missbrauchs“ betrieben werden. Auch einige Bischöfe würden immer wieder behaupten, die Verknüpfung der Themen des „Synodalen Wegs“ mit der Missbrauchkrise sei nur vorgeschoben, „um einer Jahrzehnte alten Reformagenda aus progressiven Kreisen der katholischen Kirche endlich den nötigen Schub zu verleihen“, wie das aus zwölf Mitgliedern bestehende Gremium berichtet.
Anhand der vier Arbeitsfelder – Macht in der Kirche, Priesterliche Existenz (Zölibat), Frauen in der Kirche und Sexualmoral – betont der Betroffenenbeirat, dass alle Themen eng mit der Aufarbeitung des Missbrauchs in der Kirche verbunden seien. In dem Dialog über die Zukunft der Kirche habe zunächst die Perspektive der Missbrauchsopfer gefehlt. Doch nun sind ihnen Gast- und Rederecht eingeräumt. „Anscheinend hat es dieser Menschen mit Namen und Gesicht bedurft, um sichtbar zu machen, dass wir Betroffene von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche Deutschlands kein Phantom sind, nicht irgendwelche Leute im Irgendwo, sondern dass wir real sind, dass wir viele sind, dass wir zum Teil nach wie vor Mitglieder dieser Kirche sind, dass man uns immer alltäglich begegnen kann“, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Erklärung des Betroffenenbeirats.
Jetzt könnten die Betroffenen ihre Expertise in die weiteren Beratungen einbringen. So erwarteten sie, dass der Reformdialog nicht nur mit Lippenbekenntnissen ende. Vielmehr müsse es jetzt zu nachhaltigen Veränderungen kommen – zum Beispiel im Hinblick auf Macht- und Gewaltenteilung in der Kirche. cm