München – Im März soll in deutschen Hausarztpraxen nun doch noch nicht großflächig gegen das Coronavirus geimpft werden. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben sich darauf geeinigt, dass der Startschuss deutschlandweit erst Anfang April fallen soll. Wann genau, das will die 2021 von Bayern angeführte Ministerkonferenz heute festlegen. Damit wählen die Minister einen eher späteren Einstieg der Ärzte. Die Bundesregierung und die Länder hatten am 3. März ein Datum „Ende März/Anfang April“ vereinbart. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sich sogar für einen noch früheren Start ausgesprochen. Aus der Ärzteschaft kommt nun Kritik am defensiven Zeitplan.
Bayerns Gesundheitsminister dämpft derweil die Erwartungen. Man dürfe nicht davon ausgehen, „dass gleich Anfang April alles funktioniert wie bei der Grippeschutzimpfung“, sagte Klaus Holetschek gestern. Das sei schon „von der Impfstoffmenge her“ nicht zu erwarten. In den Freistaat sollen in den fünf Wochen von Anfang März bis Anfang April zwar knapp 1,7 Millionen Impfdosen geliefert werden – mehr als seit Beginn der Impfkampagne Ende Dezember bis heute. Doch die über 100 bayerischen Impfzentren sollen parallel ebenfalls weiterlaufen. Deshalb wird sich laut Holetschek zunächst die Frage stellen: „Wer kriegt wie viel?“ Der Minister will bürokratische Hürden tief halten. Die Praxen sollen ihre Impfstofflieferungen – wie sonst auch – über den Großhandel und die Apotheken beziehen. Die Terminvergabe sollen sie selbst übernehmen.
Fragt man Gerald Quitterer, sollten die Ärzte früher ins Impfgeschehen einsteigen. „Wir sind an einem gewissen Wendepunkt angekommen, an dem das staatliche Impfstoff-Monopol nicht mehr weiter aufrechterhalten werden kann“, erklärte der Präsident der bayerischen Ärztekammer gestern. Da geeigneter Impfstoff zur Verfügung stehe, sollten die Praxen schon jetzt unkompliziert und unbürokratisch impfen dürfen. Derzeit tun sie das nur vereinzelt zur Unterstützung der Impfzentren oder in Pilotprojekten. Auch wann sie welche Patienten impfen, sollten die Ärzte selbst entscheiden, findet Landeskammerchef Quitterer. Das sieht auch Minister Holetschek so. „Die Hausärzte werden aus meiner Sicht die Priorisierung selber vornehmen“, sagte er – alledings sollen sie das weiter auf Grundlage der bestehenden Richtlinien tun.
Bisher haben in Bayern rund 924 000 Menschen zumindest die Erstimpfung erhalten. Insgesamt wurden laut Holetschek bis gestern 1 373 428 Dosen verimpft. Das Problem, dass die Impfdosen von Astrazeneca von vielen Bürgern zurückgewiesen würden, sei zuletzt zurückgegangen, sagte der Minister. „Da ist inzwischen viel Positives passiert.“ Von bis gestern 472 800 an Bayern gelieferten Dosen dieses Impfstoffs wurden dem Robert-Koch-Institut zufolge allerdings erst 182 416 verimpft.
Dabei sind die bayerischen Impfzentren noch nicht voll ausgelastet. Laut Ministerium wurden zuletzt durchschnittlich 36 400 Impfungen täglich durchgeführt, maximal möglich wären derzeit 49 000. Da sich das mit den zu erwartenden Lieferungen wohl ändern dürfte, sollen die Kapazitäten bis April auf 110 000 Impfungen täglich erhöht werden. SEBASTIAN HORSCH