Was die Münchner SPD derzeit aufführt, gleicht einem Trauerspiel. Dass ein Großteil der Mitglieder ein Problem mit dem Abgeordneten Florian Post hat, war lange vor dem Debakel am Samstag offenkundig. Es ist anzunehmen, dass hinter der Abwahl Posts gar nicht so sehr strategisches Kalkül steckt, sondern nur der Wunsch, den Unliebsamen loszuwerden.
Das ist legitim – wäre aber auch möglich gewesen, hätte Sebastian Roloff seine Kandidatur rechtzeitig angekündigt. Dass aber ein Mandatsträger so öffentlich aus dem Hinterhalt demontiert wird, wirft ein schlechtes Licht auf die Genossen. Die Schädigung ihrer Partei haben alle Putschisten in Kauf genommen. Post zieht nun mit ordentlich Werbung im Gepäck in den Wahlkampf – für sich, nicht für seine Partei. Warum der Vorstand den Konflikt nicht früher erkannt hat, bleibt schleierhaft. Und erst recht, warum die SPD von Roloffs Volte erst am Freitagabend erfahren haben will. Roloff wird seine Truppen bereits zuvor gesammelt haben. Wer auf den König schießt, muss sicherstellen, dass der Schuss sitzt.
Im Vergleich zur Landes- oder Bundespartei steht Münchens SPD noch gut da. Sie sollte alles daran setzen, nicht in ähnliche Prozesse der Selbstdemontage zu verfallen.
Sascha.Karowski@ovb.net