GEORG ANASTASIADIS
Es stimmt: Der erst seit Kurzem amtierende neue Parteichef Armin Laschet kann nicht viel für die Wahlklatschen seiner CDU in Stuttgart und Mainz. Gefährlich werden aber könnte ihm seine Verteidigungsstrategie: Wenn es wirklich vor allem die Popularität der Gegenkandidaten war, die die Landtagswahlen zu Ungunsten der CDU entschieden – welches Schicksal erwartet dann die Union erst unter einem Kanzlerkandidaten Laschet?
Markus Söder hat den Moment der Schwäche des Rivalen nicht ungenutzt verstreichen lassen. Sein Hinweis, mit dem Grünen Kretschmann habe ein Mitglied des „Teams Vorsicht und Umsicht“ gesiegt, war ein kräftiger Rempler gegen den NRW-Ministerpräsidenten, der lieber über Öffnungen spricht. Der Bayer greift also an – aber greift er auch nach Merkels Nachfolge? Söder ist kein Strauß. Wer den nur vordergründig kraftmeiernden CSU-Chef und sein vorsichtiges Naturell kennt, der ahnt, dass ihm angesichts der Talfahrt der Union der Appetit auf die Kanzlerkandidatur schnell vergehen kann. Und seit Sonntag ist der Unions-Machtverlust bei der Bundestagswahl im September ein durchaus realistisches Szenario.
Zu Recht will die verstörte Union nun Tempo machen bei der Klärung der Führungsfrage. Konsequenterweise müsste sie auch den Versuch starten, Merkel, die dem Verfall ihrer Partei bisher teilnahmslos zusieht, zum vorzeitigen Rückzug zu bewegen. Doch so oder so gilt: Laschet muss, wenn er als neuer Parteichef nicht sofort blamiert dastehen will, nach der Kandidatur greifen (und er ist, das verrät sein gestriger Versprecher, dazu auch entschlossen) – Söder kann, wenn ihm die Umstände taugen. Aber danach sieht es immer weniger aus. Gegen eine grün-rot-gelbe Regierung in Berlin ließe sich auch von München aus prima Politik machen.
Georg.Anastasiadis@ovb.net