Söder erwägt Impf-Ersatz aus Russland

von Redaktion

Sollte Astrazeneca ganz ausfallen, brauche es Alternativen – Klares Signal der EMA gefordert

München – Der für heute geplante Impfgipfel fällt ins Wasser. Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) überraschend die Verimpfung von Astrazeneca ausgesetzt hat, sahen Bund und Länder keinen Sinn mehr darin, sich zur Telefonkonferenz zusammenzufinden. Denn bis die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) am Donnerstag aufzeigt, wie es weitergeht, steht der Nutzen des bisher zweitwichtigsten Impfstoffs für Deutschland auf der Kippe.

Auch in Bayern sind gerade viele Fragen offen. Kehrt der Impfstoff überhaupt zurück? Falls nicht, welche Zweitimpfung könnten die 270 000 Astrazeneca-Geimpften im Freistaat bekommen? Gibt es womöglich Einschränkungen für bestimmte Gruppen? In Bayerns Krankenhäusern ist die Situation ebenfalls ungewiss. Rund 50 Prozent des Klinikpersonals sind bisher geimpft worden – laut Roland Engehausen vorwiegend mit Astrazeneca. „Sowohl für die erforderlichen Folgeimpfungen als auch für weitere ja dringend nötige Erstimpfungen gilt es jetzt zunächst abzuwarten“, sagt der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft unser Zeitung.

Dazu kommt die Frage, ob der geplante Impfstart in den Arztpraxen zum 1. April gehalten werden kann. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) berät dazu heute mit Vertretern der Ärzteschaft. Nach wie vor wolle man „möglichst schnell in die Praxen rein“, sagt Holetschek am Dienstag. „Zumindest in Teilen.“ Er habe deshalb auch Bundesminister Spahn aufgefordert, möglichst schnell mitzuteilen, wann der Großhandel mit Impfstoff beliefert werden könne – von dem wiederum die Arztpraxen die Dosen erhalten sollen. Gelinge das nicht rechtzeitig, „werden wir uns andere Lösungen über unsere Impfzentren überlegen müssen“, sagt Holetschek.

Angesichts all dieser Unklarheiten fordert Bayerns Regierung deshalb am Donnerstag ein klares Signal der EMA – am besten ein positives. Gestern hat die Behörde den Impfstoff bereits in einer Stellungnahme verteidigt. Bleibt es dabei, sei ein Nachholtermin für den Impfgipfel sogar noch in dieser Woche möglich, sagt Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Klar ist für ihn: Danach muss Deutschland das Tempo hochfahren. Aus den Priorisierungen könnten Empfehlungen werden, um schneller zu impfen. Auch die Bürokratie müsse abgebaut werden. Es gelte nicht nur aufzuholen, was durch zu späte Bestellungen und Lieferungen in Verzug geraten ist, sondern auch um die verlorene Impfzeit durch die Astrazeneca-Probleme. Da die Akzeptanz dieses Impfstoffes wohl „nicht in den Himmel wachsen“ werde, seien freiwillige Impfungen angezeigt. „Ich kenne so viele Menschen, die sich sofort mit Astrazeneca impfen lassen würden“, sagt Söder. „Ich würde mich auch sofort hinstellen.“ Die Hausärzte könnten dabei für die individuelle Beratung sorgen. Sobald es die Impfstoffsituation erlaube, sollen darüber hinaus auch Betriebsimpfungen stattfinden.

Kehrt der britisch-schwedische Impfstoff allerdings nicht zurück, hätte nicht nur der Freistaat ein Problem. „Wenn Astrazeneca ganz ausfallen würde, wäre es für Europa eine ganz bittere Sache“, sagt Söder. In diesem Fall müsste Deutschland „mit aller Konsequenz“ daran arbeiten, Ersatz zu bekommen. Es sei dann auch zwingend notwendig, die Zulassung von „russischem und anderem Impfstoff“ proaktiv anzugehen, sagt Söder. Auch mit Blick auf Bestellungen für das kommende Jahr rate er dabei aber, diesmal „nicht allein auf die europäische Karte“ zu setzen. S. HORSCH

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