München – Die strikte Ablehnung der Segnung von homosexuellen Paaren in der katholischen Kirche kam völlig überraschend. Das Papier, das am Montag von der Römischen Glaubenskongregation veröffentlicht wurde, war als sogenanntes Responsum ad dubium (Antwort auf einen Zweifel) gekennzeichnet. Wer eine solche Anfrage an die Glaubenskongregation gerichtet haben könnte, ist auch der Deutschen Bischofskonferenz nicht bekannt.
Derweil sorgt das Papier weiterhin für großen Wirbel. So zeigte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, „nicht glücklich darüber“, dass der Vatikan sich zum jetzigen Zeitpunkt so massiv in die Debatte über die Möglichkeit des Segens für gleichgeschlechtliche Paare einbringt. Das erwecke den Eindruck, als wolle Rom die in vielen Teilen der Weltkirche geführte theologische Auseinandersetzung möglichst schnell beenden, sagte der Limburger Bischof. „Das ist aber gar nicht möglich.“ Der Umgang mit Homosexuellen in der Kirche ist auch ein Thema in den Diskussionen der Reform-Initiative „Synodaler Weg“.
Unterdessen melden sich immer mehr hochrangige Vertreter aus dem Klerus mit deutlicher Kritik. Generalvikar Andreas Sturm (Speyer) schrieb auf Facebook, er werde das Verbot ignorieren: „Ich habe Wohnungen, Autos, Fahrstühle, unzählige Rosenkränze usw. gesegnet und soll zwei Menschen nicht segnen können, die sich lieben? Das kann nicht Gottes Wille sein.“ Für das Bistum Trier erklärte Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg, er teile dieses Unverständnis bis hin zum Entsetzen mit vielen anderen Gläubigen. Der Schaden, der mit dieser neuerlichen römischen Intervention verursacht werde, sei enorm.
Das Verbot von Segensfeiern mache ihn fassungslos, sagte der Dompropst von Worms, Tobias Schäfer. „Wo die Kirche glaubt, sich zur Wächterin über den Segen Gottes machen zu müssen, da ist sie nicht länger Segen für diese Welt.“ Er werde sich von niemandem verbieten lassen, Gottes Segen jedem zu spenden, der ihn brauche oder erbitte.
Nach den Worten von Kardinal Reinhard Marx ist die Haltung des Vatikans bekannt, dass homosexuelle Beziehungen nicht mit der Ehe zwischen Mann und Frau gleichzusetzen sind. Über alles Weitere müsse man aber durchaus reden: „Ob die homosexuelle Beziehung, die wirklich in Liebe gelebt wird, in der man füreinander da ist, in Treue, nicht auch einen guten Wert hat und haben kann, das muss man sicher noch weiter diskutieren. Und da denke ich, ist das nicht das letzte Wort, darüber nachzudenken.“ cm/kna