SEBASTIAN HORSCH
Nach Berlin will sich auch Nordrhein-Westfalen nicht mehr an die beim Bund-Länder-Gipfel vereinbarte Notbremse-Regelung halten. Das „reine Schließen“ gerate an Grenzen, sagt Ministerpräsident Armin Laschet. Auch wenn er damit Recht hat, ist seine Entscheidung falsch.
Vor dem zweiten Corona-Ostern ist die Situation eine andere als 2020. Während vor einem Jahr noch gestritten wurde, ob Stoff-Masken gegen das Virus helfen, haben wir heute ganz andere Möglichkeiten, uns zu schützen. Wir tragen FFP2-Mundschutz und können uns einfach testen lassen. Und auch wenn es schleppend vorangeht, werden jeden Tag Hunderttausende Deutsche gegen das Virus geimpft. Vor allem aber verstehen wir Corona besser. Wir wissen, dass es draußen sicherer ist als drinnen, wir haben uns ans Lüften gewöhnt und auch ans Abstandhalten. Selbstverständlich gibt es unter diesen Voraussetzungen Wege zwischen Sorglosigkeit und Isolation, die mit gesundem Menschenverstand weitgehend sicher begangen werden können. Doch weil diese Wege auch angesichts neuer Mutationen schmal sind, ist ein Korrektiv nützlich, das einen vor dem Abdriften warnt.
Laschet und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller haben sich nun entschlossen, das Korrektiv zu ignorieren, das sie gerade noch selbst mitbeschlossen haben. Für die ohnehin schwindende Corona-Disziplin im Land ist das pures Gift: Wenn sich das größte Bundesland und die deutsche Hauptstadt einfach über die selbst gesetzten Regeln erheben, wie es ihnen passt: Warum sollte man sich als Bürger eigentlich noch daran halten?
Sebastian.Horsch@ovb.net