Die K-Frage spaltet die Union

von Redaktion

VON CHRISTOPH TROST UND JÖRG BLANK

Berlin/München – Die Umfragewerte: Abgestürzt. Das Kanzleramt: Wackelt. Und dann noch die K-Frage: Ungelöst. Knapp sechs Monate vor der Bundestagswahl wächst in der Union die Nervosität. Zwischen Ostern und Pfingsten soll endlich entschieden werden, wer für CDU und CSU als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl am 26. September zieht. Das haben die beiden potenziellen Kandidaten der Union, Armin Laschet und Markus Söder, versprochen. Doch von besinnlicher Osterruhe und brüderlicher Einigkeit ist wenig zu spüren: Söder stichelt weiter gegen Laschet, den Vorsitzenden der großen Schwesterpartei.

Spaltet die K-Frage ausgerechnet im Wahljahr die Union? Nach der Migrationskrise 2015 waren CDU und CSU fast auseinander geflogen. Zumindest inhaltlich schienen sie zuletzt wieder versöhnt. Doch nun fragt man sich in der CDU: Findet die Union im Wahlkampf die für ihre Anhänger so wichtige Einigkeit? Wo sie doch nur noch ein paar Pünktchen vor den Grünen liegt?

Die Oster-Äußerungen aus Bayern stoßen in der CDU-Führung manchem sauer auf. „Die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur sollte auch eng mit Angela Merkel abgestimmt werden“, sagt Söder der „Bild am Sonntag“. Ein Kandidat ohne Unterstützung der Kanzlerin könne kaum erfolgreich sein. Lapidare Hinweise eigentlich, die Laschet auch unterschreiben würde. Wäre da nicht Söders Unterton, den sie in der CDU mitschwingen hören: Der Bayer sieht sich ja sehr eng auf Merkels harter Corona-Linie – und Laschet weniger.

Dann sagt Söder, der in den Werten zur Beliebtheit und Kompetenz seit Langem klar vor Laschet liegt, auch noch auf die Frage, ob man solche Umfragen ignorieren könne: „Umfragen spielen natürlich eine Rolle. Sie sind ein wichtiger Maßstab für die Akzeptanz von Personen und Programmen in der Bevölkerung.“ Dabei betonen Laschet und andere CDU-Granden seit Wochen, die K-Entscheidung falle unabhängig von der aktuellen Umfragelage. Ein Tritt vor Laschets Schienbein seien die Äußerungen gewesen, ist ein noch zurückhaltender Kommentar.

Die Frage ist nun vor allem: Wie geht Laschet weiter vor? Und wann? Für nächsten Sonntag sind beide zur Klausur der Spitze der Unionsfraktion eingeladen, vielleicht wird es ein Schaulaufen. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt beansprucht bereits ein „erhebliches Mitspracherecht“ der Abgeordneten, da dürfe nichts in Hinterzimmern oder bei Frühstücken ausgemacht werden. (Übrigens: Auch Merkel ist eingeladen.) Öffentlich angemeldet haben bisher beide ihre Kandidatur nicht. Sie müssen eigentlich verhindern, dass ein offener Wettkampf die Union zerreißt. Deshalb wollen sie die Frage unter sich klären, das Ergebnis ihren Parteien vorstellen – und sich dann Seit’ an Seit’ als geeint kämpfendes Duo präsentieren. Ob das klappt?

Laschet, da gibt es in seiner Partei kaum Zweifel, wolle unbedingt Kandidat und Kanzler werden. Intern, so wird kolportiert, gibt er sich selbstbewusst. Er setzt darauf, dass die CDU-Landesverbände und deren Vorsitzende weitgehend hinter ihm stehen – auch im Osten, der früher als Kernland von Friedrich Merz galt. Zwar wird aus der Unionsfraktion auch von einzelnen CDU-Abgeordneten der Ruf nach Söder laut. In der Fraktion geht wegen der miesen Umfragewerte die Angst um, das Mandat zu verlieren. Doch allgemein gilt nach wie vor, dass der Chef der größeren Unionspartei das erste Zugriffsrecht hat.

Auch Söder weiß: Er kann nur Kandidat werden, wenn Laschet und die CDU ihn darum bitten. Das dürfte der CDU-Vorsitzende höchstens dann tun, wenn er beispielsweise aus dem Kreis des Parteipräsidiums dazu gedrängt würde. Dort sitzen aber die mächtigen Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten der CDU – gerade unter letzteren hat sich Söder mit seinen Alleingängen in der Ministerpräsidentenrunde keine Freunde gemacht. Natürlich traut die CSU Söder das Kanzleramt zu, er selbst sich auch. Doch eine Kanzlerkandidatur wäre mit unabwägbaren Risiken verbunden – für seinen starken Posten als CSU-Chef und Ministerpräsident. Und auch für die CSU-Vormachtstellung in Bayern.

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