In Bayern hat bisher kein noch so mächtiger CSU-Regent den Nachfolger bekommen, den er sich gewünscht hat: Goppel wollte Strauß nicht, Strauß wollte Streibl nicht, Streibl nicht Stoiber, Stoiber nicht Beckstein, Beckstein nicht Seehofer und Seehofer nicht Söder. Im Bund war es nicht anders. Macht wird, Annegret Kramp-Karrenbauer kann davon ein Lied singen, nicht an Thronprinzen und auch nicht an Prinzessinnen übergeben. Markus Söder weiß das nur zu gut. Sein Vorschlag, Merkel solle bei der Entscheidung über ihre eigene Nachfolge mitbestimmen, ist deshalb nicht mehr als ein weiterer vergifteter Pfeil in Richtung Armin Laschet. Die Kanzlerin wird, weil sie eine kluge Frau ist, dankend ablehnen.
Erhellend ist der Vorstoß dennoch, weil er zeigt: Nicht mal an Ostern macht der Guerillakampf zwischen den zerstrittenen Unionsschwestern kurz Pause. Das zeigt seine selbstzerstörerische Kraft. Laschet wankt unter den Schlägen aus München, bessert mit seinem „Brücken-Lockdown“-Vorschlag hektisch nach, will aber nicht weichen. Und Söder spielt seine Stärke aus, ohne aber die Entschlossenheit aufzubringen, seine Kandidatur offen zu erklären. Diese Zermürbungstaktik lässt Raum für Spekulationen, er wolle am Ende gar nicht nach der Kanzlerschaft greifen, sondern nur seine überragende bundespolitische Rolle bis zur Neige auskosten – bis zu dem Tag, an dem sich womöglich doch ein geschwächter CDU-Vorsitzender Laschet mit letzter Kraft ins Ziel schleppt. So verlieren am Ende alle. Die erfahrenen CSU-Recken Horst Seehofer und Erwin Huber werden zu Recht nervös: Das Gegeneinander der Spitzen von CDU und CSU inmitten in der Viruskrise zerstört Vertrauen. Die Zeit der Spielchen muss endlich vorbei sein. Der Union – und dem Land – wäre geholfen, wenn die K-Frage geklärt würde. Und das nicht erst zu Pfingsten. Söder muss jetzt sagen, ob er bereitsteht.
Georg.Anastasiadis@ovb.net