Will Präsident Wladimir Putin nun auch in der Ukraine Fakten schaffen und den Osten des Landes Russland einverleiben? Ähnlich wie er es 2014 mit seinem Coup auf der Krim getan hat? Die Parallelen sind unübersehbar: Massive Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine sind ein Warnsignal, die bereits erfolgte Ausstellung von über 400 000 russischen Pässen an Bürger in der Ost- ukraine sind ein weiteres. Ein Einmarsch russischer „Friedenstruppen“ zum „Schutz russischer Bürger“ im Donbass ist ein realistisches Drehbuch.
Für den kalt kalkulierenden Putin scheint der Preis für ein „fait accompli“ in der Ukraine nach den Zerwürfnissen mit dem Westen immer akzeptabler zu werden. Die Sanktiönchen der EU – zuletzt wegen des Skandals um die Festnahme und Verurteilung des Kritikers Nawalny–, vor allem aber der Affront des neuen US-Präsidenten Joe Biden, der Putin unverblümt einen „Mörder“ nannte, scheint beim Kreml-Herrscher eher die Abenteuerlust anzuspornen. Die einzige Chance des Westens, noch Einfluss auf Moskaus Vorgehen in der Ex-Sowjetrepublik Ukraine zu nehmen, wäre im Falle des Falles die Androhung des totalen Abbruchs aller wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland. Soldaten nach Kiew zu schicken, ist zumindest für Europa keine Option.
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