München – Die Intensiv-Mediziner konnte Armin Laschet an seiner Seite wissen, als er am Ostermontag seine Idee von einem „Brücken-Lockdown“ vorstellte. Seit Wochen warnt die Deutsche Gesellschaft für Intensiv- und Notfallmedizin vor drohender Überlastung der Intensivstationen durch eine steigende Zahl von Covid-19-Patienten. Doch nicht die gesamte Ärzteschaft will sich den Forderungen nach einem schnellen Lockdown anschließen.
Ausgangssperren oder Schulschließungen sollten nicht im statistischen Blindflug veranlasst werden, sagte Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer der Rheinischen Post. Die zunehmende Belegung auf den Intensivstationen seien zwar ein deutlicher Warnhinweis. Nach den Osterfeiertagen sei die Datenlage zu Neuinfektionen aber unübersichtlich. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung teilt mit, Laschets Vorschlag lasse sich erst einschätzen, wenn klar sei, welche Maßnahmen und Zeiträume gemeint seien.
Die Krankenhausgesellschaften auf Bundes- und Länderebene hatten die Warnungen der Intensiv-Mediziner zuletzt mehrfach als zu drastisch zurückgewiesen. Das führe zu Verunsicherung. In den nächsten Wochen drohe keine Überlastung der Kliniken. Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer sieht für beide Positionen eine Berechtigung. „Die Intensivmediziner stehen natürlich an vorderster Front“, sagte Gerald Quitterer unserer Zeitung.
Die Infektionslage erfordere weiter Vorsicht im Alltag und am Arbeitsplatz. Welche Maßnahmen aktuell zu ergreifen seien, müsse politisch entschieden werden. Der Blick auf Inzidenzwerte sei dafür sinnvoll. Man könne aber im Einzelfall stärker in den Blick nehmen, wie Inzidenzen zustande kämen. Ärztliche Expertise könne bei der Einschätzung helfen, ob bei steigenden Zahlen nach abgrenzbaren Ausbruchsereignissen immer Schließungen nötig seien. Zum Impfstart in den Hausarztpraxen sagte Quitterer, dieser sei gut angelaufen. sr/afp