Armin Laschet ist der Unglücksvogel der deutschen Politik: zu oft am falschen Tag im falschen Zug. Auch jetzt wieder. Sein aus dem Hut gezauberter „Brücken-Lockdown“ wird zum PR-Desaster. Sogar ihm zugeneigte CDU-Ministerpräsidenten lassen den CDU-Chef abblitzen, und die SPD-Landesfürsten nutzen freudig die Gelegenheit, den Möchtegern-Kanzlerkandidaten der Union vorzuführen. Sie können es sich leisten: Die Inzidenzzahlen fallen seit Tagen. Da ist es schwer, die Menschen nach fünf Monaten Lockdown von der Notwendigkeit eines noch härteren Zusperrens des Landes zu überzeugen.
Noch ist unklar, ob die sinkenden Infektionszahlen nur das Ergebnis von feiertagsbedingt unterbliebenen Tests sind oder ob sie, was plausibel wäre, mit den Ferien-Schulschließungen zusammenhängen oder mit der wachsenden Vorsicht vieler Bürger aus Angst vor der aggressiveren Mutante. Laschets Rolle rückwärts kommt spät und verschreckt jene, die behutsame Lockerungen richtig finden und sich bei Laschet bisher gut aufgehoben fühlten. Diejenigen hingegen, die immer schon mehr dem Team Vorsicht zuneigten, sehen sich in ihrem Urteil über den CDU-Chef als einen wankelmütigen Kantonisten bestärkt.
Deutschlands politische Klasse gleicht einem Hühnerhaufen: lautes Gegacker, viel Durcheinander, kein Plan. Das liegt daran, dass wir nach über einem Jahr Viruskrise noch immer im Nebel stochern. Wo stecken sich Menschen an? Welche Maßnahmen helfen dagegen? Kein Schimmer! Wundert sich da noch wer, dass immer weniger bei den Maßnahmen noch mitziehen wollen? Dass sich Eltern massenhaft den so wichtigen Corona-Tests ihrer Schulkinder verweigern und Bayern deshalb eine Testpflicht einführen muss, sollte uns alarmieren.
Georg.Anastasiadis@ovb.net