München – Unter anderen Umständen könnte man von Entspannung reden, sagt Markus Söder (CSU). Doch auch wenn die Corona-Zahlen über die Osterfeiertage leicht nach unten zeigen, ist Bayerns Ministerpräsident nicht nach Durchatmen zumute. Die Werte zeichneten „kein ehrliches Bild“. Ostern, schulfrei, weniger Arbeitskontakte, weniger Betrieb in den Gesundheitsämtern – all das habe die Zahlen verfälscht. Erst nächste Woche könne man wirklich sehen, wo man steht. Dass die Bilanz dann sonderlich erfreulich ausfällt, glaubt Söder offensichtlich nicht. Die Lage sei nach wie vor „sehr gefährlich“, die Mutationen würden von vielen noch immer unterschätzt. Öffnungen passten da derzeit einfach nicht rein.
Öffnungen verschoben
Söder will „lieber länger vorsichtig bleiben und später nachhaltiger und mit gutem Gewissen öffnen“. Deshalb schiebt er sämtliche für die Zeit nach den Osterferien angedachten Öffnungen auf die lange Bank – um mindestens zwei Wochen. Weder sollen Außengastronomien bei einer Inzidenz unter 100 aufmachen dürfen, noch soll es Lockerungen in Kultur oder Sport geben. Das Moratorium gilt auch für die geplanten Modellregionen, in denen Öffnungsschritte unter besonderen Testvorkehrungen ausprobiert werden sollten. Acht sollten es bayernweit sein, 33 Bewerbungen gibt es. Viele der möglichen Kandidaten hätten mit ihren Inzidenzwerten aber ohnehin jüngst „die 150er-Marke gerissen“, sagt Söder. Die Situationen in Tübingen und Österreich würden zudem zeigen „dass testen alleine keine Lösung ist, wenn Inzidenzen steigen“.
Neue Einkauf-Regeln
Das Thema Einzelhandel sei „etwas schwierig“, sagt Söder. Nachdem ein Gerichtsurteil die Öffnung von Schuhgeschäften erlaubt hat, weil Bau- und Gartenmärkte bisher auch öffnen durften, habe man nun ein einheitliches System für alle gesucht. Von Einschränkungen ausgenommen bleiben weiter Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Lebensmittelläden, Drogerien und Apotheken. Für alle anderen – also beispielsweise auch für Buchläden – gilt künftig: In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 dürfen sie öffnen. Bei einem Inzidenz-Wert zwischen 50 und 100 sind Terminshopping-Angebote mit vorheriger Terminvereinbarung möglich. Bei Werten zwischen 100 und 200 bleiben solche „Click & Meet“-Angebote erlaubt, Bedingung ist aber ein aktueller negativer Corona-Test. Dabei ist ein PCR-Test 48 Stunden gültig, ein Schnelltest aus dem Testzentrum oder der Apotheke 24 Stunden lang. Sogenannte Laientests für zuhause gelten nicht. Bei einer Inzidenz über 200 ist nur noch die Abholung bestellter Waren möglich („Click & Collect“).
Impfstoff aus Russland
Nach dem Impfstart in den Hausarztpraxen will Bayern auch die Betriebsärzte stärker einbinden. Ende April soll damit begonnen werden, zehn große Arbeitgeber im Freistaat durchzuimpfen. Um welche Unternehmen es geht, ist noch unbekannt. Zudem wirbt Söder für Impfangebote für jüngere Abgeordnete um die Parlamente notfalls handlungsfähig zu halten. Gleichzeitig verkündet der Ministerpräsident, dass Bayern einen Vorvertrag mit einer Firma in Illertissen geschlossen hat, die Impfdosen des russischen Vakzins Sputnik V herstellen soll. Nach der Zulassung des Präparats in der EU soll der Freistaat demnach bis zu 2,5 Millionen Impfdosen erhalten. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) prüft derzeit den Antrag auf Zulassung von Sputnik V in der EU. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) bezeichnet den russischen Impfstoff als „hochwirksam“.
Zudem hat der Freistaat einen weiteren Vertrag geschlossen. Um Infektionen künftig besser nachverfolgen zu können erwirbt Bayern eine Lizenz für die „Luca“-App, die – Lockerungen vorausgesetzt – die ausliegenden Kontaktlisten in der Gastronomie und bei Veranstaltungen ersetzen soll.