Berlin – Die Parallelen sind nicht zu übersehen: Da sind zwei Parteichefs und beide wollen als Kanzlerkandidat antreten. Der Unterschied zwischen Union und Grünen ist am Ende aber doch gewichtiger. Denn die Grünen-Spitze macht immerhin den Eindruck, als wolle sie sich friedlich einigen – und zwar schon sehr bald.
Am 19. April will der Parteivorstand einen Vorschlag dazu machen, wer von den beiden Chefs antritt: Robert Habeck oder Annalena Baerbock. So steht es in einem Schreiben von Bundesgeschäftsführer Michael Kellner an die Landeschefs und den Parteirat. Die endgültige Entscheidung soll auf der Parteitag vom 11. bis 13. Juni fallen. Der dürfte dem Vorschlag der Grünen-Spitze folgen – egal, wie er ausfällt.
Kellner machte klar, dass die Grünen mit dem Ziel in die Wahl am 26. September gehen, das Kanzleramt zu erobern. „Wir wollen das Land in die Zukunft führen.“ Ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl erzielte die Partei 2009 mit 10,7 Prozent, 2017 kamen sie nur auf 8,9 Prozent. Derzeit liegen sie in Umfragen aber stabil über 20 Prozent. Es ist das erste Mal, dass die Partei einen Kanzlerkandidaten benennt.
Im Wahlkampf wollen die Grünen-Chefs trotzdem als Spitzenduo auftreten. Beide haben zuletzt immer wieder bekräftigt, dass sie die K-Frage untereinander klären wollen. „Ich glaube, keinem von uns fällt es schwer zu sagen: Du bist der oder die Richtige“, räumte Baerbock vor kurzem im „Spiegel“ ein. „Aber natürlich ist es am Ende ein kleiner Stich ins Herz.“
Die Sympathien der Wählerschaft liegen eher bei Habeck. In einer Civey-Umfrage für den „Spiegel“ aus dem März hielten ihn 33 Prozent für den geeigneteren Kandidaten, nur 23 Prozent sprachen sich für Baerbock aus. Der Trend bewegt sich aber kontinuierlich Richtung Baerbock. Im aktuellen „Forsa“-Trendbarometer für RTL/ntv hat sie Habeck überflügelt. Für den 51-Jährigen wird neben den Sympathiewerten ins Feld geführt, dass er als Agrarminister und Vize-Ministerpräsident von Schleswig Holstein schon Regierungserfahrung gesammelt hat. Die 40-jährige Baerbock gilt dagegen als inhaltlich stärker. Zur Frage, ob für die Kandidatur das Geschlecht eine Rolle spiele, sagte Habeck bei „Anne Will“: „Wenn Annalena Baerbock als Frau sagen würde, ich mache es, weil ich eine Frau bin – und die Frauen haben das erste Zugriffsrecht – dann hat sie es, natürlich.“ Aber keiner von beiden argumentiere so.
Über die Kandidatenkür hat es bei den Grünen bisher weder Streit noch größere öffentliche Diskussionen geben. „Beide sind jeweils die beste Wahl“, sagt Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der Grünen-Veteran Daniel Cohn-Bendit, der sich in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ für Habeck ausspricht, ist da eher ein Einzelfall.
Kellner hatte vor einigen Wochen angekündigt, dass die Entscheidung zwischen Ostern und Pfingsten fallen soll, „wenn die Bäume wieder richtig grün sind“. Dass sie jetzt, kurz nach Ostern, nicht mehr lange zögern, war erwartet worden. Damit wollen die Grünen auch ein Zeichen der Entschlossenheit setzen, während bei CDU und CSU noch Unklarheit herrscht.