Krawalle in Nordirland

Die Sprengkraft des Brexit

von Redaktion

ALEXANDER WEBER

Das Karfreitagsabkommen von 1998 brachte Nordirland zwar keinen paradiesischen Frieden, aber es schuf nach Jahrzehnten tödlicher Gewalt immerhin ein relativ friedliches Nebeneinander von Protestanten und Katholiken. Das Nordirland-Protokoll des Brexit-Austrittsvertrags zwischen London und Brüssel trägt dagegen seit seiner Unterzeichnung den Keim in sich, neuer Gewalt auf der grünen Insel Vorschub zu leisten. Es ist die heikle Konstruktion für ein unlösbares Dilemma: Es darf einerseits keine neue harte Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem politisch zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland geben. Andererseits müssen aber vom EU-Ausland nach Nordirland gelieferte Waren kontrolliert werden, weil die britische Provinz weiter der Zollunion und dem EU-Binnenmarkt angehört. Nordirland hat somit einen Sonderstatus inne, der den Unionisten ein Dorn im Auge ist. Und das ist keine Überraschung.

Noch dominiert in England die Brexit-Euphorie und das Glücksgefühl, dass der Kampf gegen die Corona-Krankheit dank entschlossenem Impfen gerade gewonnen wird. Doch nach der Rückkehr zur Normalität wird den Briten offensichtlich werden, welche Nebenwirkungen der Brexit noch zeigen wird. Für Nordirland, für Schottland – für den Bestand des Vereinigten Königreichs.

Alexander.Weber@ovb.net

Artikel 1 von 11