Als Markus Söder 2018 Ministerpräsident werden wollte, und das wollte er mit jeder Faser, zögerte er trotzdem bis zum letzten Moment damit, seine Kandidatur offen anzumelden. Er sprang erst, als ihm der rote Teppich schon ausgerollt, gesaugt und geföhnt war. Diesmal ist das anders: Der CSU-Chef geht scheinbar ins Risiko mit seiner Ankündigung, bereit zu stehen fürs Kanzleramt.
Kurzfristig kann er sich Kratzer holen, wenn die CDU nun hart bleibt und auf Laschet pocht. Das ist ein realistisches Szenario, denn die CDU darf man sich nicht als sonderlich basisdemokratisches Gebilde vorstellen. Falls nicht schnell aus der Basis oder von besorgten Abgeordneten Druck kommt, auf den Umfrage-Kanzler Söder zu setzen, werden die CDU-Granden Laschets Kandidatur eilig festzurren. Mögen die Unions-Werte auch weiter purzeln – so lange die CDU-Spitze eine Rest-Chance sieht, das Kanzleramt zu halten, kriegt kein CSUler den Startplatz.
Genau deshalb ist das Risiko für Söder aber auch kalkulierbar. Er wird jetzt kämpfen um die Kandidatur, er wird Klassenunterschiede zu Laschet aufzeigen. Entweder genügt das – oder er bringt sich damit zumindest in die Lage, sich einen Verzicht auf eine eigene Kandidatur teuer abkaufen zu lassen – Posten, Zusagen, Loyalitäten. Laschet ist es, der um seine politische Existenz fürchten muss: Verliert er im Herbst die Wahl gegen die Grünen, ist er erledigt, in Berlin wie daheim in NRW. Dann wird Söder genüsslich verbreiten, dass man mit zweitbesten Bewerbern eben nur zweitklassige Ergebnisse holt. Für 2025, spätestens, würden die Karten dann ganz neu gemischt.
Christian.Deutschlaender@ovb.net