Union: Historisches Duell in der Fraktion

Die Angst vor dem schwarzen Riesen

von Redaktion

GEORG ANASTASIADIS

Es ist noch nicht lange her: Am Sonntag erst versprach Markus Söder, nicht so sein zu wollen wie einst Strauß. Jetzt ist er doch zu jenem mutiert: ein politisches Raubtier, kraftvoll, gerissen, furchteinflößend. In der Bundestagsfraktion hat er seinen Rivalen Armin Laschet in einem historischen Duell an die Wand gedrückt. Er hat Begeisterung geweckt in einer Union, in der seit Jahren nur noch geschäftig moderiert wird, wo graue Parteiapparatschiks in den Gremien den Ton angeben und mediokre Figuren zu ihren Anführern wählen. Leute wie Laschet eben.

Söder hat den Strauß gegeben. Oder, je nach Geschmack, den Merz, den anderen schwarzen Riesen, dem er sich soeben selbst noch in den Weg stellte. Doch Söders Stärke ist zugleich seine große Schwäche. Es ist sein ungezügelter Machtwille, der aus jeder Pore strömende Führungsanspruch, der ihn für viele Wähler nach 16 Jahren Merkelei so sexy macht – und zugleich so unerträglich für die Spitze der großen Staatspartei CDU, die sich keinen böseren Albtraum ausmalen kann, als acht oder zwölf Jahre nach der Pfeife des ebenso ruchlosen wie herrischen CSU-Chefs tanzen zu müssen. Den Anschauungsunterricht für begriffsstutzigere Hinterbänkler hat Söder selbst geliefert, als er am Montag die einmütige Empfehlung des CDU-Präsidiums für Laschet entgegen allen vorherigen Zusicherungen in der Luft zerriss und wie ein zorniger Volkstribun die CDU-Granden der Hinterzimmerkungelei bezichtigte. Da war sie wieder, jene unberechenbare CSU, die schon 2018 die Union an den Rand des Abgrunds geführt hatte.

Söder setzt alles auf eine Karte. Ermutigt die Putschisten in der Schwesterpartei. Blamiert deren Führung. Demontiert Laschet. Und will wissen, vor wem die CDU mehr Angst hat: vor ihm – oder dem Machtverlust.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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