Mehr US-Soldaten für Deutschland

von Redaktion

VON MARC BEYER

München/Berlin – Es ist nicht nur der sperrige Name Kramp-Karrenbauer, der Lloyd Austin geschmeidig über die Lippen geht. Für einen Amerikaner mag er eine Herausforderung sein, aber eine, die man mit etwas Vorbereitung meistern kann. Bemerkenswerter ist, was der neue US-Verteidigungsminister nach dem Treffen mit seiner deutschen Amtskollegin sonst noch sagt.

Austin schwärmt und schwelgt, erinnert an seine Zeit als junger Offizier in Deutschland, dem Land, das „einen besonderen Platz in meinem Herzen“ hat, und bedankt sich für den „produktiven Dialog“ mit Annegret Kramp-Karrenbauer. Man muss bei solchen Gelegenheiten nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, aber der Unterschied zwischen gestern und dem Tonfall, den die Vorgängerregierung unter Donald Trump vier Jahre lang anschlug, ist frappierend.

Berlin ist das allererste Ziel, das der Verteidigungsminister in Europa ansteuert. Das sagt viel aus über die Bedeutung, die Washington dem Partner in militärischer Hinsicht beimisst. Vor allem aber wird deutlich, wie wichtig den USA die Pflege der ramponierten Beziehung ist.

Und so kommt Lloyd Austin gestern schnell auf den Punkt. Bis zum Herbst werde man 500 zusätzliche Soldaten nach Deutschland entsenden. Sie sollen im Raum Wiesbaden stationiert und unter anderem in der Cyber-Abwehr und der elektronischen Kriegsführung eingesetzt werden. Der Ausbau des Standortes sei „gut für die USA und gut für die Nato“. Das klingt fundamental anders als die Drohungen der Trump-Administration. Die wollte rund 12 000 der 35 000 US-Soldaten abziehen, als Strafe für aus Trumps Sicht zu geringe Militärausgaben Berlins. Der Plan scheiterte dann schon am Widerstand des eigenen Kongresses und wurde vom neuen Präsidenten Joe Biden endgültig kassiert. Aber im Gegenteil sogar 500 weitere Soldaten zu entsenden, hat noch mal eine besondere Qualität.

Atmosphärisch ist es ein ungetrübter Tag in Berlin. Das liegt auch an Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie signalisiert ein Entgegenkommen beim zweiten transatlantischen Streitpunkt neben den Rüstungsausgaben. Bei der fast fertiggestellten Gas-Pipeline Nord Stream 2 deutet sie an, dass die spätere Nutzung und die Frage, wie viel Gas am Ende tatsächlich durch die Rohre geleitet werde, auch „vom Verhalten Russlands“ abhängig gemacht werden müsse.

Die USA haben ihren Widerstand gegen die Pipeline, die Europa ihrer Meinung nach allzu abhängig von Moskau macht, wiederholt zum Ausdruck gebracht. Auch die Biden-Regierung teilt in diesem Punkt Trumps Vorbehalte. Dennoch ist der neue US-Verteidigungsminister demonstrativ bemüht, an diesem Tag jede Schärfe zu vermeiden. Man werde „nicht zulassen, dass dieses Thema den hervorragenden Beziehungen im Wege steht, die wir mit Deutschland führen“, sagt Austin.

Von Berlin aus fliegt er anschließend noch nach Stuttgart, wo die Kommandozentralen für die Truppen in Europa und Afrika stationiert sind. Auch dieser Termin ist fein gewählt. Trump hatte die Zentralen ebenfalls verlegen wollen.

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