Berlin/Brüssel – Die Nato zeigt sich angesichts der Entwicklungen im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland zunehmend besorgt. Der russische Truppenaufmarsch entlang der Grenze zur Ukraine sei der größte seit der Annexion der Krim im Jahr 2014, erklärte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstag bei einem Treffen mit dem ukrainischen Außenminister Dmitri Kuleba in Brüssel. Er sei „ungerechtfertigt, ungeklärt und zutiefst beunruhigend“.
Russland wies Vorwürfe zu dem Truppenaufmarsch erneut zurück. Verteidigungsminister Sergej Schoigu bezeichnete die Verlegung tausender Soldaten als Übung. Vize-Außenminister Sergej Rjabkow warf USA und Nato vor, die Ukraine zu einem „Pulverfass“ zu machen.
Stoltenberg sagte in Brüssel: „Die Nato steht an der Seite der Ukraine“. Es gilt aber als ausgeschlossen, dass sich die Nato aktiv in den Konflikt einmischt. Die Ukraine ist nur Partnerland, kein Nato-Mitglied. Zum anderen gelten die Risiken als schwer kalkulierbar. Niemand könne Interesse daran haben, wegen eines Regionalkonflikts einen Dritten Weltkrieg zu riskieren, heißt es von Diplomaten. Deshalb gilt ein schneller Nato-Beitritt der Ukraine als ausgeschlossen.
An diesem Mittwoch wollen die Außen- und Verteidigungsminister aller 30 Nato-Staaten in einer gemeinsamen Videokonferenz über die aktuelle Zuspitzung beraten. US-Außenminister Antony Blinken und US-Verteidigungsminister Lloyd Austin werden persönlich in Brüssel erwartet. Dabei soll es auch um die Zukunft des Einsatzes in Afghanistan gehen. Zur Entspannung der Lage will US-Präsident Joe Biden mit einem Gipfeltreffen mit Russlands Staatschef Wladimir Putin beitragen. Biden habe den Vorschlag über einen Gipfel in einem Drittland in den kommenden Monaten in einem Telefonat mit Putin am Dienstag vorgeschlagen, teilte das Weiße Haus mit.