Amerikas längster Krieg endet am 11. September

von Redaktion

Die USA ziehen ihre Truppen aus Afghanistan ab, Deutschland und die anderen Nato-Partner folgen

Washington – Barack Obama gab sich verhalten optimistisch. „Auch wenn es in Afghanistan noch dunkle Tage geben wird, ist das Licht eines sicheren Friedens in der Ferne zu sehen. Diese langen Kriege werden zu einem verantwortungsvollen Ende kommen“, sagte der US-Präsident im Juni 2011. Das war knapp zehn Jahre nach Beginn des US-geführten Einsatzes am Hindukusch.

Ein knappes Jahrzehnt später ist ein „sicherer Frieden“ immer noch nicht in Sicht. Der jetzige Präsident Joe Biden – Obamas damaliger Vize – will den Militäreinsatz nun trotzdem beenden, und zwar ohne Bedingungen. Am 11. September soll Schluss sein, auch für die Bundeswehr und die anderen Nato-Partner. Zu diesem symbolträchtigen Datum sollen alle internationalen Truppen abgezogen sein.

In keinen Krieg waren die USA länger verwickelt. Der Konflikt zeigt eindrücklich, wie viel einfacher es ist, in ein Land einzumarschieren, als es wieder zu verlassen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington dauerte es keine vier Wochen, bis die USA unter Präsident George W. Bush die ersten Bomben über Afghanistan abwarfen. Das Taliban-Regime hatte sich geweigert, den mutmaßlichen Drahtzieher und Al-Kaida-Chef Osama bin Laden auszuliefern. Bald darauf folgten Bodentruppen. Ende 2001 stürzte das Regime.

Eine vom US-Kongress eingesetzte Expertengruppe hatte im Februar in einem Bericht verschiedene Szenarien für Afghanistan entworfen, keines davon optimistisch, manche katastrophal: eine Rückkehr der Taliban an die Macht, einen erneuten Bürgerkrieg, eine wachsende Terrorbedrohung für die USA und eine weitere Flüchtlingskrise mit Auswirkungen auch auf die EU.

Eine erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Einschätzung der US-Geheimdienste klingt ebenfalls eher düster: Sie halten die Aussichten für ein innerafghanisches Friedensabkommen binnen zwölf Monaten für gering. Bei den Friedensverhandlungen in Doha gibt es auch nach vielen Monaten keine nennenswerten Fortschritte. In dem Bericht heißt es: „Die Taliban werden wahrscheinlich Gewinne auf dem Schlachtfeld erzielen und die afghanische Regierung wird Schwierigkeiten haben, die Taliban in Schach zu halten, wenn die Koalition ihre Unterstützung zurückzieht.“

Der Abzug aus Afghanistan gehörte zu Bidens Wahlversprechen. Sein Vorgänger Donald Trump hatte ein solches Versprechen ebenfalls abgegeben, es aber nicht halten können. Trumps Regierung hatte mit den Taliban einen Abzug der internationalen Truppen bis zum 1. Mai vereinbart. Biden will an diesem Datum – wie die Nato-Partner – damit beginnen. Er sagt, er sei der vierte Präsident mit Truppen in Afghanistan. „Ich werde diese Verantwortung nicht an einen fünften weitergeben.“ Und weiter: „Es ist an der Zeit, Amerikas längsten Krieg zu beenden. Es ist der Zeit für die amerikanischen Truppen, nach Hause zu kommen.“

Trotz der anhaltenden Angriffe der Taliban auf Sicherheitskräfte und Zivilisten macht die Biden-Regierung deutlich, dass der Abzug nicht an Bedingungen geknüpft ist. Das ist eine Abkehr der bisherigen Linie, die ein US-Regierungsvertreter nun als „ein Rezept für einen ewigen Verbleib“ bezeichnet. Die Terrorbedrohung für die USA aus Afghanistan sei nicht mehr so groß, dass eine Truppenpräsenz notwendig wäre. Innerafghanische Probleme könnten aber nicht von ausländischen Soldaten gelöst werden. Das kann man nach 20 Jahren Einsatz als Bankrotterklärung werten – oder als späte Anerkennung der Realitäten. CAN MEREY

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