Es ist ein gewaltiger, bedrückender Militär-Aufmarsch, der nicht nur in der Ukraine große Ängste weckt: Mindestens 40 000 russische Soldaten sollen bereits an der Grenze zum Nachbarland stehen, ganze Züge voller Panzern und anderem Militärgerät rollen Richtung Ost-Ukraine und Krim. Es gibt zwei Szenarien, was Wladimir Putin mit dieser Streitmacht bezwecken könnte: Die erste ist, dass der starke Mann im Kreml austesten will, wie ernst es der neue US-Präsident Joe Biden mit seiner angekündigten Politik der Härte gegenüber Moskau und Peking meint. Doch ein derart teurer, gigantischer Truppenaufmarsch nur als Drohkulisse? Leider scheint Szenario zwei wahrscheinlicher: Putin will Fakten schaffen und nach der Krim nun auch die seit sieben Jahren von den russischen Separatisten kontrollierten Gebiete annektieren. Der Augenblick dafür wäre günstig: Der Westen ist zu sehr mit der Corona-Pandemie beschäftigt, um Interesse an einer aktiven Einmischung zu haben – und dass der mögliche künftige Kanzler Markus Söder an Brüssel vorbei den russischen Impfstoff Sputnik V bestellte, hat Putins Einschätzung, dass von Deutschland ganz sicher nicht mehr als mahnende Worte kommen werden, sicher bestärkt.
Dazu kommt, dass im September in Moskau Parlamentswahlen anstehen. Die Krim-Annexion war in Russland populär – mit der „Befreiung“ der Ost-Ukraine könnte Putin erneut eine nationalistische Begeisterungswelle entfachen und den Verfall seiner Popularität stoppen.
Klaus.Rimpel@ovb.net