Arnsberg – Wo normalerweise Fußballteams um den Sieg kämpfen, steht am kommenden Samstag ein Duell an. Der prominente Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz will nach zwölf Jahren wieder in den Bundestag und dafür von seiner CDU im Hochsauerlandkreis als Direktkandidat aufgestellt werden. Aber auch der aktuelle Abgeordnete aus dem Wahlkreis, Patrick Sensburg, hofft auf seine Nominierung im Arnsberger Sportstadion „Große Wiese“. Die 480 Delegierten – coronakonform platziert – können nur einen ins Rennen für die Bundestagswahl Ende September schicken.
Zweimal schon wollte der Wirtschaftsexperte Merz CDU-Vorsitzender werden und unterlag nur knapp: Ende 2018 verlor er gegen Annegret Kramp-Karrenbauer, im vergangenen Januar gegen Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Armin Laschet. Der Jurist war 2000 bis 2002 Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hatte aber nach vielen Jahren im Parlament 2009 nicht mehr für den Bundestag kandidiert.
Das angestrebte Abgeordnetenmandat dürfte für Merz noch nicht das Ende seiner politischen Ziele sein. Merz bedient die konservative Klientel der Christdemokraten, viele wünschen sich bei der Zukunftsplanung der Partei eine herausgehobene Rolle für den 65-Jährigen. Und Laschet hatte nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden klargemacht, dass er Merz einbinden will: „Ich schätze ihn, ich schätze seinen Rat, und er wird seinen Platz finden.“
Merz hatte bereits angekündigt, seine beruflichen Tätigkeiten als Anwalt und in der Wirtschaft aufzugeben, falls er in den Bundestag einzieht. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sprach er jüngst von „großer Unzufriedenheit im Hochsauerlandkreis“ mit Sensburg.
Doch der überlässt Merz nicht kampflos das Feld. Beide werben intensiv in der Heimatregion. „Das läuft in geordneten Bahnen“, versichert der 49-Jährige Sensburg, der seit 2009 als Abgeordneter aus dem Hochsauerlandkreis im Bundestag sitzt und definitiv kein politisches Leichtgewicht ist. Bekanntheit erlangte der Jurist als Vorsitzender des NSA-Untersuchungsausschusses. Der Abgeordnete ist gut vernetzt. Er ist Verwaltungsexperte, Oberleutnant der Reserve, zudem Präsident des Bundeswehr-Reservistenverbands, Professor an der Polizeihochschule NRW, hat Gastprofessuren in Wien und Bukarest inne. „Jeder bringt so seine Pluspunkte ein“, meint Sensburg. Er sieht keinen klaren Favoriten.
Das Bundestagsmandat in dem Kreis sei bisher immer an die CDU gegangen, erinnert sich der Vorsitzende Matthias Kerkhoff. Eine Nominierung am Samstag gilt also als sicheres Ticket. Auf eine angespannte Stimmung deutet hin, dass Kerkhoff die „Westfalenpost“ im März aufgefordert hatte, keine Leserbriefe mehr zum Politduell zu drucken. Nach Kritik entschuldigte er sich. Er habe Sorge gehabt, dass Leserbriefe die Debatte noch weiter befeuern könnten. YURIKO WAHL-IMMEL