Für viele war das eine Überraschung: Die deutschen Autobauer sind besser durch die Krise gekommen als fast alle Konkurrenten. Und sie starten auf der wichtigen Automesse in Shanghai eine Elektro-Offensive. Sind das wirklich die VW, BMW, Mercedes, die seit Jahren von maßgeblichen Meinungsbildnern zu hoffnungslosen Fällen ohne jede Zukunftsperspektive erklärt wurden? Ja sie sind es. Totgesagte leben eben länger. Wer regelmäßig einen Blick in die Entwicklungslabors werfen konnte, wusste es besser, fand aber wenig Gehör. Differenzierende Abwägung hat keine Konjunktur in panischen Zeiten.
Also alles gut für die deutschen Auto-Standorte? Keineswegs. Die Exportmärkte boomen. Und ein global zunehmender Protektionismus steigert den Druck, dort zu fertigen, wo auch verkauft wird. Die deutschen Autobauer haben bewiesen, dass sie Spitzenqualität auch aus China oder den USA liefern können. Das sind die Märkte, die global am ehesten anspringen, während Europa im Pandemie-Modus feststeckt und ökonomisch zurückfällt. Die Welt ist nicht mehr darauf angewiesen, sich auf „made in Germany“ zu stürzen – wenn das Virus erst einmal mit deutscher Gründlichkeit besiegt sein wird. Die nächste Überraschung könnte eine bitterböse sein: der verpasste Aufschwung, der einfach nicht auf uns gewartet hat.
Martin.Prem@ovb.net