Berlin – Die Ärzte warnen auch als Lehre aus der Corona-Krise vor Kostendruck und einer weiteren Kommerzialisierung im deutschen Gesundheitswesen. „Erst kommt der Patient und dann der Profit. Das muss sich endlich in das kollektive Gedächtnis einbrennen“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, beim online abgehaltenen Deutschen Ärztetag. Bei neuen digitalen Angeboten wie der elektronischen Patientenakte komme es auch auf Praxistauglichkeit an.
Reinhardt betonte, ökonomisches Handeln sei auch im Gesundheitswesen eine Selbstverständlichkeit. Dies müsse aber den Zielen der Medizin dienen und nicht umgekehrt. „Wir sehen Kliniken und Praxen als Einrichtungen der Daseinsvorsorge und nicht als Industriebetriebe oder lukrative Renditeobjekte finanzstarker Fremdinvestoren.“ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte mit Blick auf die Debatte um Klinik-Standorte, Hauptargument müsse die Qualität sein, etwa mit viel Erfahrung bei Eingriffen. Es gehe nicht ums Sparen zuerst. Es müsse „aber nicht jeder alles“ machen. In Großstädten gebe es Überversorgung.
Reinhardt unterstützte mehr Tempo bei digitalen Anwendungen. „Ich warne aber vor einer zu engen Taktung bei der Digitalisierung, die keine Zeit mehr dafür lässt, neue Anwendungen mit der dafür notwendigen Gründlichkeit auf ihre Praxistauglichkeit hin zu erproben.“
Spahn sagte, mehr Tempo sei gerade im sensiblen Gesundheitsbereich wichtig, um Angebote aus Deutschland mit deutschem und europäischem Datenschutz zu schaffen. Nach jahrelangem Stillstand könne von einer „überhasteten“ Digitalisierung keine Rede sein.