München/Berlin – Pünktlich zum Wochenende sollen bundesweit die Corona-Regeln für Geimpfte und Genesene gelockert werden. „Es wird in Zukunft so sein, dass geimpfte und genesene Menschen keine Einschränkungen mehr haben werden bei Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen“, kündigt Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) an. Wenn Bundestag und Bundesrat am Donnerstag und Freitag wie geplant zustimmen, könnten die Lockerungen schon am Samstag in Kraft treten. Und Bayern ist sogar noch einen Schritt schneller. Hier werden Geimpfte und Genesene negativ Getesteten bereits ab morgen gleichgestellt.
In der Praxis heißt das zunächst, Geimpfte und Genesene können sich dann mit weiteren Geimpften treffen und werden bei Treffen mit Ungeimpften im Familien- oder Freundeskreis nicht mitgezählt. Test- und Quarantänepflichten entfallen, die nächtliche Ausgangssperre in Hotspots gilt für vollständig Geimpfte nicht mehr. Maskenpflicht und Abstandsreglen greifen aber weiter.
Als Beleg für eine vollständige Impfung soll bundesweit ein Nachweis auf Papier oder digital auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch akzeptiert werden. Eine Genesung kann man in Bayern mit einem positiven PCR-Test mit Datum nachweisen – dazu braucht es nach sechs Monaten noch die Dokumentation einer Impfung. Liegt die Infektion noch keine sechs Monate zurück, wird statt dem Impfnachweis ein negativer Test nach Ende der Isolierung verlangt.
Diese nicht ganz einfachen Regelungen könnten für viele Deutsche bald wichtig im Alltag werden. Denn in der Berliner Politik regen sich bereits Forderungen nach noch wesentlich weitergehenden Erleichterungen im ganzen Land. Der Chef der CSU-Abgeordneten im Bundestag, Alexander Dobrindt, setzt sich dafür ein, bundesweit in Regionen mit geringen Infektionszahlen auch Kultur, Gastronomie und Hotels für Geimpfte und Genesene wieder zu öffnen. Es müsse mehr Normalität möglich sein. Man könne dafür nicht warten, bis jeder in Deutschland geimpft sei. „Grundrechte können nicht dadurch beschränkt werden, dass einige sich nicht impfen lassen wollen oder noch nicht geimpft worden sind“, betont Dobrindt.
Und FDP-Chef Christian Lindner fordert als Reaktion auf die Entwicklung bei den Corona-Infektionen weitergehende Lockerungen auch für Menschen mit einem Negativtest. „Angesichts des rückläufigen Infektionsgeschehens und deutlich beschleunigter Impfkampagne müssen jetzt Öffnungsschritte erfolgen“, sagt Lindner. „Außerhalb von Hotspots sollte in ganz Deutschland die 3G-Regel gelten: Für Geimpfte, Genesene und Getestete sollten Restaurants, Handel, Hotels, Museen, Theater und Kinos mit Schutzkonzepten wieder öffnen.“
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt hingegen vor einer schnellen Öffnung von Gastronomie und Hotels. Zwar sei es „eine notwendige und gute Entscheidung“, die Grundrechtseinschränkungen für Geimpfte zurückzunehmen. Allerdings: „Was nicht geht, ist, dass Geschäfte oder Restaurants geöffnet werden nur für diejenigen, die geimpft sind.“ Das würde zu großen Spannungen führen. Eine flächendeckende Kontrolle bei Öffnungen sei schwierig und es gelte jetzt, den ausgewiesenen Erfolg bei der Bekämpfung der Pandemie zu sichern. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, jetzt einen schnellen, frühen Rückfall zu riskieren“, betont der SPD-Mann. „Wir sind noch sehr weit von der Herdenimmunität entfernt.“
Die Grünen dagegen kritisieren vor allem die nicht abgestimmten Alleingänge einiger Länder wie Bayern. Auch Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) fordert eine bundesweite Absprache zum Vorgehen in den Sommerferien.