London – Die G7-Staaten wollen enger zusammenarbeiten, um den wachsenden Einfluss Chinas in der Welt einzudämmen. Die Außenminister der westlichen Wirtschaftsmächte verständigten sich gestern bei einem Treffen in London darauf, in strukturschwachen Regionen Afrikas, Lateinamerikas oder Südosteuropas aktiver zu werden. „Wir wollen uns viel intensiver damit auseinandersetzen, inwieweit China seine wirtschaftliche Macht nutzt, um seinen geostrategischen Einfluss überall auf der Welt auszudehnen“, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas . „Dem wollen wir etwas entgegensetzen.“
Die Amerikaner verfolgen bislang einen deutlich härteren Kurs gegenüber Peking als Europa. Zudem sehen sie Grund zur Verstimmung, vor allem wegen des neuen europäisch-chinesischen Investitionsabkommens. Hier gibt es allerdings Bewegung. Die EU-Kommission erklärte gestern, sie sehe Probleme bei der künftigen Ratifizierung des Abkommens. Grund seien Spannungen mit Peking, sagte Vize-Kommissionschef Valdis Dombrovskis. Angesichts gegenseitiger Sanktionen sei das Umfeld „für eine Ratifizierung des Abkommens derzeit nicht günstig“. Die läuft aber ohnehin noch nicht. Derzeit wird das Abkommen lediglich rechtlich geprüft.
Der G7-Gruppe gehören neben Deutschland die USA, Großbritannien, Frankreich Italien, Japan und Kanada an. Im Mittelpunkt des ersten Präsenztreffens seit zwei Jahren steht, wie sich der Westen gegenüber autoritären Staaten wie China und Russland aufstellt.
US-Außenminister Antony Blinken und Maas nutzten das Treffen auch zu einem bilateralen Gespräch zur umstrittenen Gas-Pipeline Nord-Stream 2. „Es gibt keine Neuigkeiten“, sagte Maas.