Impfpass-Fälschungen befürchtet

von Redaktion

Schwachstelle bei der Übertragung zum digitalen Zertifikat

Berlin – Der geplante europäische Corona-Impfnachweis lässt sich Medienberichten zufolge problemlos fälschen. Nach Planungen des Gesundheitsministeriums sollen die im gelben Impfpass eingetragenen Impfnachweise umstandslos in Arztpraxen, Impfzentren oder in Apotheken auf den neuen EU-Impfausweis übertragen werden können. Da dieser Nachweis im gelben Impfpass aber leicht zu fälschen sei, sei auch das darauf aufbauende neue EU-Zertifikat entsprechend anfällig für Betrug, berichtet die „Welt am Sonntag“.

Das Bundesgesundheitsministerium räumte gegenüber der Zeitung die Sicherheitslücke ein. Bei der Prüfung der analogen Impfpässe sei „besondere Vorsicht geboten“. Auch, wenn „die Informationen in einen digitalen Impfpass übertragen werden“, erklärte das Ministerium.

Die Hackervereinigung Chaos Computer Club (CCC) sieht die Verantwortung für die offene Sicherheitslücke beim Gesundheitsministerium. Beim Eintrag in den gelben Ausweis fehle die Absicherung gegen Fälscher komplett, sagte Sprecher Matthias Marx. „Das hätte man auch besser lösen können – mit Hologrammaufklebern etwa, mit geprägtem Papier, mit Materialien, die sich nicht jeder auf Amazon zusammenklicken kann.“

Kritik kam auch von Linken und FDP. Die Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Amira Mohamed Ali, sprach in der „Welt“ von einem „katastrophalen Fehler“. FDP-Vizefraktionschef Michael Theurer sagte, die Bundesregierung müsse schleunigst dafür sorgen, dass die Sicherheitslücken geschlossen werden, zum Beispiel durch fälschungssichere Chargennummern.

Ein EU-Kommissionssprecher erklärte dagegen, der EU-Impfnachweis sei sicher. Entscheidend sei, dass der Eingabeprozess im jeweiligen Land sicher sei. Dabei hätten es diejenigen Länder leichter, in denen das nationale Gesundheitssystem bereits vollständig digitalisiert sei. „Die Umschreibung von Papiernachweisen auf digitale grüne Zertifikate über Apotheken wäre eine rein deutsche Lösung, kein Vorschlag der Europäischen Kommission“, betonte der Sprecher.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, der digitale Impfpass solle in der „zweiten Hälfte des zweiten Quartals“ einsatzbereit sein. » KOMMENTAR

Artikel 1 von 11