Deutschland staunt über Söder

Der Chef des „Teams Vorsicht“ sperrt auf

von Redaktion

GEORG ANASTASIADIS

Bayern lockert. Bei den Schulen. Den Biergärten. Den Hotels. Wer bei drei nicht auf dem Baum ist, muss aufsperren. Die Söder-Regierung sagt: Alles, was möglich ist, soll möglich gemacht werden. „Beurteilungsspielräume positiv auslegen“, heißt das regierungsamtlich. Und in Berlin, Hamburg und Düsseldorf reiben sie sich die Augen. Ist das noch der alte Söder?

Ja, er ist es – und wie! Ein Markus Söder macht keine halben Sachen. So wie er auf dem Weg in den Lockdown voranmarschierte, gibt der CSU-Chef nun Bayerns obersten Freiheitskämpfer. Alles 150-prozentig zu tun ist Teil seiner Methode. Damit es auch begriffsstutzige Gemüter kapieren.

Keine Frage: Angesichts der erfreulichen Fortschritte beim Impfen, in den Kliniken und bei den Infektionen sind Lockerungsschritte sachlich richtig und politisch geboten. Daran ist nichts zu kritisieren (auch wenn der Teufel wegen der vielen komplizierten Regelungen im Detail steckt). Freunde macht sich der Franke trotzdem nicht. Wieder stehen die anderen Länderchefs, die noch Söders Vorsicht-und-Umsicht-Leier von gestern nachbeten, wie Schulbuben da. Und auch die Kanzlerin dürfte nicht amüsiert sein über den Öffnungs-Furor des Bayern, der vor Kurzem noch ihr Klassenstreber sein wollte. Sei’s drum: So wie sich die Menschen lange nach Sicherheit sehnten, sehnen sie sich jetzt nach einem Leben nach Corona, und auch für diese Nachfrage gibt’s ein Angebot aus München. Und wenn Laschet partout nicht rausfindet aus seinem Umfrageloch, wird Söder nach der Sachsen-Anhalt-Wahl am 6. Juni noch mal tief hineinhorchen in die Schwesterpartei.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

Artikel 11 von 11