Wenn die bayerische Verkehrsministerin nicht aufpasst, steuert sie ungebremst in ein Bahndesaster im Allgäu zu. Ausgerechnet auf der erst vor einem Jahr mit viel Tamtam eröffneten elektrifizierten Strecke München-Lindau droht nun der Gau: Go-Ahead, ein britischer Konzern, soll fahren – kann aber nicht. Denn der Zughersteller verweigert die Herausgabe der Züge. Das ist ein einmaliger Vorgang. Es geht um mögliche Industriespionage, um persönliche Animositäten verfeindeter Konzernchefs – ein Wirtschaftskrimi. Den Fahrgästen dürfte das egal sein: Sie haben das Recht auf einen zuverlässigen Bahnverkehr. Und danach sieht es im Moment nicht aus.
Hinter dem drohenden Fiasko steht ein Grundsatzproblem: Der bayerische Kurs, auf Regionalstrecken auch private Anbieter zum Zug kommen zu lassen, war richtig. Aber er hat Grenzen. Die Liberalisierung kann nicht endlos fortgesetzt werden, nicht jeder Billigheimer, der sich in einer Ausschreibung schlank rechnet, hat Vertrauen verdient. Und gegenüber Neulingen wie der britischen Go-Ahead muss man wachsam sein. Jetzt muss das Verkehrsministerium die Sache an sich ziehen – und notfalls den Vertrag mit der ungeliebten Deutschen Bahn verlängern. Sonst baden es am Ende die Fahrgäste aus.
Dirk.Walter@ovb.net