SPD nominiert Olaf Scholz

Durchhalteparolen zum Auftakt

von Redaktion

MIKE SCHIER

Der Niedergang der deutschen Sozialdemokratie hatte viel mit innerparteilichem Streit zu tun: Oskar Lafontaine gegen Gerhard Schröder, die Basis gegen die Agenda 2010, Sigmar Gabriel gegen alle – und alle gegen die GroKo. Irgendwann nervte der Dauerclinch nur noch, sogar die Genossen selbst. Deshalb war es eine gute Nachricht, dass mit der eigentlich farblosen Doppelspitze Esken/Walter-Borjans und dem auch nicht gerade charismatischen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz endlich Ruhe einkehrte. Nur: Den Niedergang stoppte auch das nicht.

Entsprechend ratlos starten die Genossen in den Schlussspurt zur Wahl. Schon jetzt klingen alle Kampfansagen wie Durchhalteparolen. Dabei hat die Partei mit einem seriösen, erfahrenen Kandidaten und einem eher linken sozialdemokratischen Wahlprogramm aus ihrer Sicht wenig falsch gemacht. Sie leidet aber wie keine andere unter dem dramatischen Schwund von Stammwählern, wie er sich aktuell in den Umfragen auch durch Verschiebungen von Schwarz zu Grün oder im unerwarteten Höhenflug der FDP offenbart. Das Wahlverhalten hängt immer mehr von Trends und Stimmungen ab, was zu extremen Ausschlägen führt. Zur Erinnerung: 2017 holten die jetzt so starken Grünen gerade mal 8,9 Prozent!

Bitter für die Genossen: Ob die Stimmung noch einmal kippt, hat die Partei nicht in der Hand. Der solide Herr Scholz wird jedenfalls keine Euphorie mehr entfachen. Er muss hoffen, dass sich die Union weiter selbst zerlegt und auch bei den Grünen ein wenig am oberflächlichen Wahlkampfglanz gekratzt wird. Aber ob das reicht? Nichts deutet auf eine wundersame Auferstehung der alten Dame hin. Zumindest nicht bis zum 26. September.

Mike.Schier@ovb.net

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