Gesundheitsämtern fehlen Führungskräfte

von Redaktion

Auch im zweiten Pandemiejahr noch unbesetzte Leitungspositionen – Grüne fordern schnelleren Personalaufbau

München – Bayerns Gesundheitsämter sind in der Corona-Pandemie das Maß vieler Dinge. Sie melden die aktuellen Infektionszahlen an das Robert-Koch-Institut (RKI), sind im Falle einer Infektion für die Kontaktverfolgung zuständig und sollen Quarantäne-Maßnahmen überwachen. Doch auch im zweiten Corona-Jahr müssen die Ämter teils ohne ausreichendes Führungspersonal auskommen. Das ergibt sich aus der Antwort auf eine Anfrage der Grünen, die unserer Zeitung vorliegt.

Demnach waren zum 8. Januar in den insgesamt 71 staatlichen bayerischen Gesundheitsämtern zehn Leitungsstellen und eine stellvertretende Leitung vakant. Zu den Ämtern mit unbesetzter Führungsstelle zählten zum Beispiel die der Landkreise Berchtesgadener Land (seit neun Monaten), Ebersberg (seit sieben Monaten) und Erding (seit acht Monaten). Zwar wird in der von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) unterzeichneten Antwort betont: „Zwischenzeitlich konnte in den meisten Fällen die Stelle nachbesetzt werden.“ Wie viele Führungsstellen genau jetzt noch vakant sind, lässt Holetschek allerdings offen.

Für die Fraktionschefin der Grünen im Landtag, ist diese Situation nicht haltbar. „Es fehlt weiter an Leitungspersonal – das ist fahrlässig mitten in der dritten Welle“, sagt Katharina Schulze unserer Zeitung. Denn die Gesundheitsämter seien das Rückgrat der Pandemiebekämpfung. „Seit über einem Jahr sind die Menschen, die dort arbeiten, am Limit“, kritisiert Schulze. „Aber anstatt Unterstützung und Hilfe zu bieten, ist die Söder-Regierung mit angezogener Handbremse unterwegs.“

Schulze bezieht sich auf eine ähnliche Anfrage ihrer Fraktion aus dem April 2020. Schon damals waren vier Leitungen und neun stellvertretende Leitungen vakant. Während seither zwar einer Auflistung des Ministeriums zufolge das Personal in den Gesundheitsämtern insgesamt deutlich aufgestockt wurde, hat sich die Not bei den Leitungsstellen bis zum Januar 2021 offensichtlich noch erhöht.

Die Antwort des Ministeriums zeigt auch, dass die Gesundheitsämter bei der Kontaktnachverfolgung bisher stark unterstützt werden mussten. Bis Ende Januar wurden im Zuge der Corona-Krise 2012 Verwaltungskräfte und 407 Polizeikräfte eingesetzt, um die 1424 „im Contact-Tracing eingestellten“ Mitarbeiter (einschließlich bei den Regierungen eingestellter Springer) zu unterstützen. Die Bundeswehr half ebenfalls mit.

Auch Angebote von Call-Centern hätten der Staatsregierung vorgelegen, heißt es. Die Kontaktnachverfolgung sei jedoch „durch eigenes staatliches Personal bzw. in Amtshilfe gewährleistet“ gewesen. Interessierte Mitarbeiter externer Firmen hätten aber jederzeit die Möglichkeit sich für die Kontaktverfolgung zu bewerben. Die Chancen scheinen dabei allerdings überschaubar. So haben sich seit Beginn der Pandemie insgesamt über 8200 Personen für eine solche Stelle beworben. Neu eingestellt wurden bisher aber nur 1295 – weitere 1000 Stellen seien aber bereits bewilligt.

Angesichts so vieler Interessierter sei es „umso unverständlicher, dass nur so wenige eingestellt worden sind“, kritisiert Schulze. Die Grünen-Politikerin sagt: „Mit mehr Personal wüssten wir dann auch endlich, wo sich die Menschen hauptsächlich anstecken.“ Denn solche Infektionsquellen sind für die Ämter bis heute oft schwer zu finden. SEBASTIAN HORSCH

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