München – Viele Details aus Annalena Baerbocks Leben haben in den vergangenen Wochen den Weg in die Öffentlichkeit gefunden, bis hin zu ihrer Vergangenheit als Trampolinturnerin. Nun hat auch ihr erstes Auto einen Platz in der politischen Vita der grünen Kanzlerkandidatin. Ein alter, klappriger Polo, den die Eltern ihr zum 18. Geburtstag überließen.
Natürlich geht es in dem Interview, das sie der „Bild am Sonntag“ gerade gegeben hat, eigentlich nicht um das erste eigene Auto der jungen Frau Baerbock und schon gar nicht um dessen Ökobilanz. Aber sie bringt das Thema selbst auf, weil sie damit ihre Vorstellung von Klimaschutz veranschaulichen will – und dessen Finanzierung. Autofahren müsse bezahlbar bleiben, das wisse sie als Kind vom Lande schließlich aus eigener Erfahrung.
In ihrem Wahlprogramm fordern die Grünen, dass ab 2030 keine Wagen mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden dürfen. Weil E-Autos jedoch ihren Preis haben, bringt Baerbock eine staatliche Unterstützung ins Spiel. Ein sogenanntes „Energiegeld“, über das die Einnahmen der CO2-Bepreisung an die Bürger zurückfließen sollen. Familien mit niedrigeren Einkommen sollen demzufolge unterm Strich sogar profitieren. Besitzer von „Riesenhäusern“ und „benzinfressenden Geländewagen“, so viel Klischee muss sein, würden dagegen draufzahlen.
Einige der Ideen, die Baerbock in den Raum stellt, klingen wolkig und sind nur schwer zu greifen. An anderen Stellen wird sie hingegen sehr konkret. Die Grünen sprechen sich für die Entlastung von Geringverdienenden aus sowie für eine Anhebung des Spitzensteuersatzes um drei Punkte auf 45 Prozent, ab einem Jahreseinkommen von 100 000 Euro. Ab 250 000 Euro (und bei Ehepaaren der doppelten Höhe) soll eine weitere Stufe von 48 Prozent eingebaut werden.
Teurer werden sollen Flugreisen, wenn es nach Baerbock geht. „Ich finde es nicht fair, dass mit unser aller Steuergeld das Kerosin subventioniert wird, während Fernfahrten mit der Bahn gerade zu Stoßzeiten teuer sind.“ Wer als Familie mit dem Zug reise, solle dafür weniger zahlen müssen als mit dem Flieger. Kurzstreckenflüge, findet die Kanzlerkandidatin, solle es „perspektivisch nicht mehr geben“.
Als erstes Gesetz, das sie als Bundeskanzlerin auf den Weg bringen wolle, nennt sie wenig überraschend ein „Klimaschutzsofortprogramm“. Dass der Anteil der erneuerbaren Energien deutlich ausgebaut werden soll, war immer schon Bestandteil der Grünen-DNA. Im Interview benennt Baerbock auch eine konkrete Maßnahme. Künftig müsse in Deutschland gelten, „dass in der Regel nur noch mit Solardach neu gebaut wird“. Nicht nur bei Riesenhäusern.
Der Frage, wie und mit wessen Unterstützung sie ihre Vorstellungen umsetzen will, weicht sie geschmeidig aus. Eine gewisse Distanz zu Teilen der Linkspartei und deren „zu nachsichtiger Haltung gegenüber autoritären Regimen“ verhehlt sie aber nicht. Das deckt sich mit der Einschätzung einer früheren Parteigröße. Ex-Außenminister Joschka Fischer erteilte gegenüber RTL und n-tv einem grün-rot-roten Bündnis eine klare Absage: „Die Linken als dritte Partei? Ich sehe nicht, wie man mit denen eine Koalition formen kann. Die Linkspartei ist gespalten zwischen dem Westen und romantischen Träumen über Russland.“
Mit einer grün geführten Regierung würde sich einiges ändern – für das Land, aber auch für Familie Baerbock. Ihr Ehemann Daniel Holefleisch werde im Falle eines Wahlsieges „voll Erziehungszeit nehmen“. Natürlich gehe es nicht ohne Aufgabenteilung. Sie kümmert sich dann um das Land, ihr Gatte um „Kita, Schule, Hausaufgaben und Pausenbrote“.